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DAS
   SPIELZEUGMUSEUM SEIFFEN
AUSPROBIEREN · BENUTZEN · SPIELEN · GESTALTEN

Unliebsame Erinnerungen?

     April 2024

Derzeit arbeiten wir mit Hochdruck an unserer nächsten Sonderausstellung. Sie trägt den Titel “Weißt du noch? – Andenken und Souvenirs als greifbare Erinnerung” und wird vom 27.04.2024 bis zum 31.01.2025 im Dachgeschoss des Spielzeugmuseums sowie in einer Stube des Doppelwohnhauses im Freilichtmuseum zu sehen sein. Das Thema der Andenken und Souvenirs ergibt sich in einer Urlaubsregion fast von selbst. Tatsächlich haben die Drechsler und Spielzeugmacher des Erzgebirges unverwechselbare Souvenirs geschaffen. Der Anstoß dazu kam nicht selten von außen. So entstanden 1913 die Heidelbeerkinder (oder Beerenkinder) von Margarete Wendt im Rahmen eines Preisausschreibens des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz zu „geschmackvollen Reiseandenken“. Das Seiffener Dorf von Heinz Auerbach, der Blumenverkaufsstand von Erich Leichsenring und die Miniatur-Nussknacker von Walter Werner waren Beiträge zu einem Wettbewerb um die „Entwicklung des besten Souvenirs“, der 1972 vom Kulturbund der DDR ausgerufen wurde. So wie die Beerenkinder noch heute von Wendt & Kühn produziert werden, gehören etliche der letztgenannten Motive nach wie vor zum Repertoire der Seiffener Kunsthandwerker*innen. In ihren ursprünglichen oder auch modernisierten Entwürfen werden sie für ihre Käufer zu Andenken an Urlaubstage im Erzgebirge. Warum nur spricht die Überschrift von unliebsamen Erinnerungen?

Initiator des 1972er Wettbewerbs war Johannes Eichhorn (1904–1993). Eichhorn war Heimatforscher, Naturschützer, überaus engagierter Volkskundler, maßgeblich an der Entstehung der Seiffener Museen beteiligt – und mutmaßlich inoffizieller Mitarbeiter der Staatssicherheit der DDR. Eine solche Situation wäre nicht ungewöhnlich. Bekanntermaßen misstraute die DDR ihren Bürgern und selbstverständlich wurde auch die Volkskunde im Rahmen des herrschenden Systems ausgeübt. Den Zeitgeist merkt man den Briefen Eichhorns, von denen etliche im Spielzeugmuseum aufbewahrt werden, deutlich an. Zu Spitzeleien für die Stasi liegen im Museum jedoch keine faktischen Informationen vor. Was also tun?

Streichen wir Eichhorn aus unserem Ausstellungsdrehbuch und lassen damit wesentliche Aspekte der Geschichte der Seiffener Souvenirs aus? Oder sagen wir, Eichhorns politische Verstrickungen gehen das Museum nichts an? Keiner dieser beiden Wege kann der richtige sein. Stattdessen thematisieren wir Eichhorns Verdienste um die Seiffener Souvenirs und versuchen zugleich, mehr über Eichhorn und seine Verbindungen zur Politik zu erfahren. Das ist allerdings nur über einen begründeten Antrag an das Stasi-Unterlagen-Archiv möglich. In der Zwischenzeit ist jeder im Museum willkommen, der sein/ihr Wissen und seine/ihre Erfahrungen mit uns teilen möchte. (SG)

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