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DAS
   SPIELZEUGMUSEUM SEIFFEN
AUSPROBIEREN · BENUTZEN · SPIELEN · GESTALTEN

Der Fall Meyer

     Februar 2024

Neben den Objekten in Ausstellung und Depot birgt das Spielzeugmuseum einen weiteren Schatz: die Sammlung des Archivs. Beim Stöbern in den Akten stößt man zum Beispiel auf Richard Meyer, der der Spielwarenfachschule, namentlich ihrem Direktor Max Schanz, sowie dem Vorsitzenden des Fachschulausschusses und später auch des Werbeverbands der Spiel- und Holzwarenindustrie im Schwartenberggebiet, Erich Rößler, zwischen 1933 und 1938 das Leben schwer machte.

Meyer hatte Anfang 1933 eine Verkaufsschau eröffnet, die Spielwaren, Volkskunst und Gebrauchsartikel von in und um Seiffen ansässigen Herstellern im Haus Nr. 38, der sogenannten „Spielzeugschachtl“, zum Kauf anbot.[1] Darüber hinaus zeigte er wechselnde thematische Ausstellungen, wie 1933 „Aus Seiffens Vergangenheit und Bergbauzeit“ oder 1936 „Die Deutschen Volks-Weihnachtskrippen“. Die überlieferten Akten erzählen nicht, wie der Streit begann, doch sah jede Seite in der anderen eine unliebsame Konkurrenz. Wechselseitig warf man sich Abwerbung der Besucher und unlauteres Geschäftsgebaren vor. Meyer bemängelte den Andenkenverkauf der Fachschule. Diese wiederum beschuldigte ihn, Touristen abzufangen und vom Besuch der Fachschulausstellung abzuhalten. Beschwerdebriefe und Stellungnahmen wurden an das Amtsgericht in Sayda, das Ministerium für Wirtschaft, das Ministerium für Volksbildung, den Werberat der deutschen Wirtschaft und den Amtshauptmann in Freiberg gesandt. Rechtsanwälte wurden eingeschaltet und minutiöse Protokolle ungehöriger Praktiken erstellt, die auf der einen Seite Schikanen schilderten, die Meyer durch die Gendarmerie zu erdulden hatte und auf der anderen Bestechungen der Omnibusfahrer, die ihre Gäste daraufhin zu Meyers Ausstellung fuhren und nicht in die Spielwarenschule. Schuld und Unschuld lassen sich nach den vorliegenden Dokumenten kaum bestimmen. Fakt ist, dass Meyer am Ende der Verlierer war. 1938 musste er sein Geschäft schließen und erklärte sich sogar zu einer Anstellung beim zuvor so heftig bekämpften Werbeverband bereit. Diese kam jedoch nicht zustande. Meyer übersiedelte nach Augustusburg und eröffnete wiederum eine „Spielzeugschachtl“. Für weitere Einzelheiten heißt es, Meyer erneut auszuspäen, jedoch nicht durch verdeckte Beobachtungen wie 1937, sondern durch weiteres Aktenstudium. (SG)

 


[1] Die 38 ist die ursprüngliche Katasternummer. Die heutige Anschrift lautet Hauptstraße 80. Das Gebäude wurde 1940 von Richard Gläßer gekauft und ist nach wie vor Sitz dieser Firma. Meyers „Spielzeugschachtl“ hat übrigens nichts mit dem gleichnamigen Fachgeschäft der Dregeno zu tun, das 1990 auf der Hauptstraße 72 eröffnet wurde.

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