DAS
   SPIELZEUGMUSEUM SEIFFEN
AUSPROBIEREN · BENUTZEN · SPIELEN · GESTALTEN

WEIHNACHT IM MUSEUM

WEIHRAUCHDUFT UND LICHTERGLANZ
Kostbarkeiten der weihnachtlichen Volkskunst

    Die Wertschätzung des Lichtes durch den Bergmann, als Gleichnis für Frömmigkeit und die Wiedergeburt nach getaner Arbeit, ist zum zentralen Weihnachtsthema der bergmännisch geprägten Erzgebirgsweihnacht geworden. Bereits um 1800 schmückte die Erzgebirger ihre Weihnachtsstube mit Leuchtern und Pyramiden. Dieser Brauch gewann nach 1830 wesentlich an Bedeutung, als billigere Stearinkerzen die kostbaren Rüböllämpchen oder Wachskerzen ersetzen konnten. Nach der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Weihnachtsfest zunehmend zu einem Fest der Familie, zu einer volkstümlichen Lichterweihnacht. Dies führte neben der Spielzeugfertigung zu einer bescheidenen Nebenproduktion weihnachtlicher Erzeugnisse, die auf den heimischen Märkten vertrieben wurde. Bald standen gedrechselte Lichterbergleute und Lichterengel in vielen Häusern und gehörten Räuchermann und Nussknacker zum typischen Weihnachtsschmuck.

Lichterbergmann
Traditionsfigur seit 200 Jahren

    Der Bergmann hatte ein ausgeprägt emotionales Verhältnis zum Licht. Es war nicht nur Beleuchtungsquelle bei seiner äußerst gefährlichen Arbeit unter Tage sondern auch Sinnbild für Glück und Leben. Bereits im 17. Jahrhundert dienten in Kirchen des Erzgebirges aus Zinn gefertigte Knappenfiguren als Träger der Altarkerzen. Geschnitzte lichtertragende Bergmannsfiguren für den privaten Gebrauch folgten nach. Erst die im Spielzeuggebiet gedrechselte Form führte zu größerer Verbreitung und Beliebtheit dieser weihnachtlichen Figur. Dabei wurden Arme und Füße noch bis etwa 1920 aus Masse frei geformt. Schachthut, Arschleder, Tscherpertasche und die schwarz-weiße Bemalung sind charakteristische Merkmale des gedrechselten Seiffener Lichterbergmannes.

    Exponate: dutzende lichtertragende Bergleute seit 1870, Teigarmfiguren, Pärchen mit Engel, Steigerfiguren, Glockenbergleute

Lichterengel
Vom Biedermeier zur Moderne

    Der Lichterengel ist in gedrechselter Form nicht vor 1830 nachweisbar. Als entscheidende Vorbilder sind die Nürnberger Rauschgoldengel anzunehmen. Sie wurden offenbar vom erzgebirgischen Holzdrechsler mit der Puppendocke zur stehenden, hölzernen Engelfigur mit Lichtertülle und Holzflügeln verschmolzen. Die Zeit des Biedermeier hat die Engelfigur stark beeinflusst; eingeschnürte Taille oder Blumenornamente, in Schwämmchen- Technik aufgetragen, sind noch heute verbreitete Attribute. Aus der Engelskrone mit Bögen und Zacken wurde eine schlichte Drehform, die dem bergmännischen Schachthut ähnelt.

    Exponate:  dutzende lichtertragende, gedrechselte Engel seit 1870, Glockenengel, Fußengel

Schwebeengel
Hängende Engel als Lichterträger

    Ab der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden im Spielwarengebiet Seiffen sogenannte Schwebeengel als Weihnachtsschmuck. Geschnitzt oder modelliert und oft zum aufwendig dekorierten Hängeleuchter ausgebaut, erinnern sie an Verkündigungsengel und Verkündigungsspiele in erzgebirgischen Kirchen.

    Exponate: Engelsfiguren geschnitzt mit Lichterkranz

Weihnachts-Leuchter
Leuchterspinnen im Erzgebirge

    Barocke Nachwirkungen prägten im 19. Jahrhundert die Herausbildung der erzgebirgischen Weihnachtsleuchter. Dabei hatten prächtige Glaslüster, wie der um 1670 in der Heidelbacher Glashütte geschaffene Glashängeleuchter in der Seiffener Kirche, Vorbildfunktion. Die aus dem Flämischen stammenden mehrarmigen Metall-Spinnenleuchter dürften zur typischen Spinnenform im Drechslergebiet geführt haben. In eine profilierte hölzerne Mittelspindel sind gedrechselte, S-förmig geschwungene Lichterhalter gesteckt. Zapfen, Glöckchen, Kugeln oder Sterne schmücken diese Grundgestaltung. Beim Kettenleuchter hingegen werden 6 oder 8eckige Holzkränze durch kugelbesetzte Drähte gehalten. Oft fanden zur Ausschmückung der Leuchter auch Glasschaumkugeln Verwendung.

    Exponate: Leuchter verschiedener Formen: Kettenleuchter, Kronenleuchter, Spinnenformen ab 1830

Hängelaufleuchter
Bewegung im Weihnachtsleuchter

    In Anlehnung an die Pyramide bewegen sich in diesen besonderen, oft sehr üppig ausgestatteten Leuchtern kleine figürliche Szenerien. Dem Prinzip der Pyramide folgend werden die figurenbesetzten Scheiben in einer extra Konstruktion geführt und über ein Flügelrad in Bewegung versetzt. Die Wärme erzeugen verdeckt gehaltene, innen angebrachte Kerzen oder Rüböllampen. Mitunter übernehmen den Antrieb auch eingebaute Spieluhren oder kleine Federtriebwerke, die mit der Hand aufzuziehen waren. Deckenlaufleuchter gehören mit ihren Figuren, Schmuckelementen, Spiegelgläsern oder Zinnzäunchen zu den kostbarsten Volkskunstformen.

    Exponate: mehrere wertvolle Unikate seit 1870, reicher Figurenbesatz

Weihnachts-Pyramide
Aufsteigende Wärme als Antrieb

    Die erzgebirgische Drehpyramide hat sich um 1800 herausgebildet. In ihr haben Lichterbrauchtum und bergmännische Bastelei eine sinnfällige Vereinigung gefunden. Vorläufer waren pyramidenartige, mit Girlanden geschmückte unbewegliche Lichtergestelle, aber auch mechanisch betriebene Bergwerksmodelle. Göpelpyramiden verdeutlichen als Erinnerung an bergmännische Zimmermannskünste die Beziehung zwischen einer Weihnachtspyramide und dem Bergbau am klarsten. Die Form der Stabpyramide ist in Anlehnung an ursprüngliche Lichtergerüste entstanden. Für den Seiffener Raum sind seit Mitte des 19. Jahrhunderts vor allem Stufen- und Stockwerkspyramiden bedeutsam, die in Proportion und detailreicher Ausstattung zu Kostbarkeiten des Pyramidenbaues wurden. Ihre Wirkung beruht besonders auf dem Kontrast von gedrechselten Grundformen und geschnittenen Architekturteilen. Auf mehreren Etagen sind thematisch Figuren- und Tiergruppen angeordnet, die neben der biblischen Weihnachtsgeschichte auch die bergmännische Erlebniswelt sowie das dörfliche Leben einbeziehen. Turm- und hausartige Varianten ergänzen die Vielfalt.

    Exponate: mehrstöckige Pyramiden bis zu 2,60 m hoch, ab 1870 Unikate mit wertvollen Figuren, Raumpyramide in der Mitte der Ausstellung mit einer Höhe von 6,30 m

Räuchermann
Gemütvolles und Duftendes

    Zur Erzgebirgsweihnacht gehört seit Jahrhunderten der Weihrauchduft. Handgeformte Räucherkerzen, aus einem Teig von gemahlener Holzkohle, Rotbuchenmehl, Kartoffelstärke und Duftstoffen gefertigt, wurden im Westerzgebirge bereits vor 1800 gefertigt. Die aufkommende Volks(un)sitte des Pfeiferauchens dürfte dem Spielzeugmacher Anlass gewesen sein, die duftverströmende Räucherkerze in eine hohlgedrehte Figur zu stellen. Die ersten hölzernen Räuchermännchen mit aus Teig geformten Armen, Füßen und Gesichtern werden für die Zeit um 1850 dem Heidelberger Drechsler Ferdinand Frohs zugeschrieben. Schmauchend, mit der Pfeife im Mund, wurde der Räuchermann neben der Darstellung von Türke und Rastelbinder vor allem zum Abbild des gemütvollen Dorfbewohners.

    Exponate:  dutzende Figuren seit 1850, mit Teigarmen, besonders aus der Werkstatt Haustein

Nussknacker
Symbolfigur und Werkzeug

    Zum symbolträchtigen Traditionsschmuck der Weihnachtszeit gehören Nüsse, als Zeichen des aufkeimenden Lebens ebenso wie als Bote des Neuen und Unbekannten. Um an den süßen Kern zu gelangen, geriet das Knacken der Schale oft zur kultischen Handlung. Bereits im 18. Jh. wurden Nußbeißer besonders gern als Figuren mit Elementen leiser Ironie und volkstümlicher Sozialsatire gestaltet. Als bedeutendster Schöpfer des heute weltberühmten Seiffener Nussknackers gilt Wilhelm Friedrich Füchtner, der nach 1870 im Nebenerwerb begann, gedrechselte, figürliche Nussknacker herzustellen. Einfache, spielzeughaft gestaltete Soldaten, Bergleute, Feuerwehrmänner und Polizisten gehörten zum Sortiment der ersten Jahrzehnte.

    Exponate: Exemplare um 1900, seltene Stücke aus der Werkstatt Ullrich, Füchtner und Langer

Bergparaden und Schwibbögen
Der Bergbau in der Volkskunst

    Jahrhundertelang prägte das Montanwesen das Bild erzgebirgischer Landstriche und das Selbstverständnis seiner Bewohner. Die sinnbildhaft empfundene Gestalt des Bergmannes fand seit dem 16. Jahrhundert ihre künstlerische Realisierung. Bergmännische Kultur und Volkskunst berühren sich im Weihnachtsfest am deutlichsten. In Anlehnung an die einfache Bergspinne entstanden beispielsweise reichhaltig ausgeschmückte Spinnenleuchter. Ein Bergaufzug als Pyramidenbestückung wird bereits 1846 erwähnt. Der gedrechselte Seiffener Aufzug hingegen könnte erst um 1900 entstanden sein. Mittelpunkt der Ausstellung im Dachgeschoss bildet die 1985 fertiggestellte historische Bergparade (1719) vom Seiffener Walter Werner. Die Sonderform der Göpelpyramide führt die Gedanken des Betrachters zurück zu den Zimmermannskünsten des 15. Jahrhunderts. Die Weiterentwicklung des hölzernen Schwibbogens ist mit den mechanischen, beweglichen bergmännischen Bögen von Klaus Kolbe (Seiffen) verbunden.

Mettenlaternen
Brauch für den Heiligen Abend

    In Seiffen ist bis heute der Brauch der Mettenlaternen erhalten geblieben. Um 1920 fertigten bereits Vorschüler der einstigen Spielwarenschule Papp- und Holzlaternen. Solche mit der Laubsäge ausgeschnittenen Laternenmotive beinhalten sowohl die Weihnachtsgeschichte als auch das Spielzeug und heimatliche Bilder.

    Die Wiederbelebung dieser Laternentradition geht auf Professor Albin Seifert (Direktor der Seiffener Spielwarenschule 1914-1933) zurück. Seinen Aufzeichnungen ist zu entnehmen, dass Kinder am heiligen Abend mitunter mit Papierlaternen zur Kirche gingen. Neben solchen überall käuflichen Papierlampions gab es wenige geschmückte Holzlaternen, die früher oft von Vätern für ihre Kinder gebaut wurden.

    Auf Initiative Professor Seiferts wurden nun von den Schülern der Spielwarenschule Laternen entworfen und angefertigt; mit bunten Mustern, Figuren aus der heiligen Geschichte, Landschaften, Blumen, Tierfiguren. Für das Weihnachtsfest 1915 regte Seifert zur Christmette einen Kinderzug an, in dem etwa 60 solcher neuer Laternen getragen wurden. Viele Kinder sollen sich Schablonen erbeten haben, um zu Hause auch für ihre Geschwister Mettenlaternen fertigen zu können.



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