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Holzspielzeug aus dem Erzgebirge
Aktualisiert
11.05.2006
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Spiel und Kultur - Spielzeug seit dem Mittelalter

Ein Vortrag von Katharina Engels - gehalten am 24. 03. 2006 auf Schloss Schwarzenberg im Erzgebirge zur Tagung "Museen im Austausch"
Spiel und Kultur bilden seit Menschengedenken eine untrennbare Einheit.
...der Kulturphilosoph Johan Huizinga sieht gar im Spiel den Ursprung jeder Kultur.

Seit eh und je haben Dichter und Künstler, Philosophen und Pädagogen die Bedeutung des Spiels für den Menschen ergründet. Sie haben im „Homo ludens", dem spielenden Menschen die wichtige Ergänzung zum „Homo faber" dem arbeitenden Menschen erkannt. „Sag mir was, wie und womit du spielst und ich sage dir, wer du bist" - eine derartige Feststellung ist durchaus berechtigt, wenn man sich die große Bedeutung des Spiels und des Spielzeugs vor Augen hält. Spielart und Spielzeug spiegelten zu allen Zeiten die Umwelt der Spielenden wider - neben der unverfälschten Realität -, aber auch stets deren Wünsche und Sehnsüchte. Im Spiel, im Freiraum der Freizeit, kann sich das wirklich Humane im Menschen in Wechselbeziehung zu seiner Umwelt entwickeln.
Nach Friedrich von Schiller spielt der Mensch nur, ... wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da Mensch, wo er spielt." Gerade die Entwicklung des Kindes vollzieht sich im Spiel und es kommt ganz entscheidend darauf an, wie das Kind im Spiel zu sich selbst und zum Welt- und Lebensverständnis findet.
Gutes Spielzeug vermag es, die seelischen und geistigen Kräfte des Kindes zu erschließen - dieses Postulat gilt heute noch genau so wie in den Kindertagen unserer Großeltern.

Spielzeug ist Zeug zum Spielen - und wenn es ein gewisses Alter erreicht hat, fällt es unter die Sachgüter der Geschichte", kommt vielleicht in Sammlerbesitz und landet zu guter letzt wohl auch im Museum.
Einerseits gewinnt es dadurch an Bedeutung, wird als Zeuge seiner Zeit aufgerufen und als verkleinertes Spiegelbild der Kulturgeschichte zitiert, ja unterliegt gar wissenschaftlichen Forschungsanstrengungen.
Anderseits verliert es im selben Zuge eine ganz wesentliche Eigenschaft: es darf fortan meist nur noch dem Namen nach - Zeug zum spielen sein, denn museal gewordenes Spielzeug bleibt - los gelöst von seiner ursprünglichen Beziehung - hinter Vitrinenscheiben dem spielerischen Zugriff von Kinderhänden entzogen.
Wann Spielzeug zum erstenmal in der Entwicklungsgeschichte des Menschen auftaucht, läßt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Jedenfalls bezeugen schon prähistorische Funde den Gebrauch von Spielsachen.
In der Kulturgeschichte tritt das Spiel immer wieder in eine bemerkenswerte Nähe zu kultischen Handlungen.
Noch heute wird der Puppe als Abbild des Menschen eine magische Wirkung zugeschrieben, wie sie auf früheren Kulturstufen wohl gemeinhin empfunden und zu allerlei Zauberwerk benutzt worden ist.
Der dem Spiel eigene Freiraum fördert eine ungestörte Persönlichkeitsentwicklung und Selbstentfaltung. Dies wiederum macht den Menschen im freien Spiel der Gedanken zum Forscher, Denker, Erfinder und Wissenschaftler.

Hinter der Geschichte des Spielzeugs steht die seiner Hersteller. Zum Beispiel die eines Hütebuben, der sich seine Zeit auf der Weide mit dem Schnitzen von kleinen Holztieren vertreibt, nur so zum Spaß.
Gar nicht zum Spaß stand der Fabrikarbeiter in Charli Chaplins Film „Moderne Zeiten" am gnadenlos dahin eilenden Fließband, auf dem Blechspielzeug hergestellt wurde. Oder der Grödner Spielzeugschnitzer im vorigen Jahrhundert, der mit dem 50sten Pferdefigürchen in der Hand erst knapp die Hälfte seines Tagessolls erfüllt hatte -
bitter notwendig zum nackten Überleben seiner Familie. Bei den Kindern der Spielzeugmacher im Erzgebirge stand der schöpferische Spaß in den seltensten Fällen Pate bei der Herstellung, sondern bitteres Muß, blieb doch unter der Drangsal eines oft vierzehnstündigen Arbeitstages in engen Stuben und bei karger Ernährung weder Zeit noch Kraft um selber zu spielen. Freilich hatten seinerzeit nicht einmal die Kinder wohlhabender Stände das große Los gezogen, mißt man ihre Spielgelegenheiten an unseren Vorstellungen schöpferischer Ungebundenheit.
Die Vorstellung ehrgeiziger Eltern, mit den Spielsachen ihrer Sprößlinge das eigene Repräsentationsbedürfnis zu befriedigen, machte da gewiß viele Kinderträume zu nichte. Kostbarkeit stand dann vor Spielbarkeit und preziöse Zerbrechlichkeit verhinderte - eh man sich's versah - die Benutzbarkeit der Kinderhände.
Zugegebenermaßen verdankt aber museale Ausstellung gerade derartigen „Sonntagsspielsachen" die prachtvollsten Zeugnisse historischer Epochen en miniature.
Zwischen Produzent und Konsument stand und steht im allgemeinen der Händler (Verleger) Er macht und kennt den Markt, vermittelt, zieht die Fäden zwischen Bedürfnis und Befriedigung.

Bereits im 18. Jahrhundert genossen große Spielzeugverlage in Handelszentren wie Nürnberg wahrhaft internationale Geltung. Der Spruch Nürnberger Tand geht in alle Land" entsprach durchaus der Realität. Die Wiener, Oberammergauer, Grödner oder Thüringer eiferten dem fränkischen Vorbild erfolgreich nach.
Die Geburtsstunde der ersten „Spielzeug-Multis", die durch Ankauf und Vertrieb die Produktion ebenso diktierten wie die Preisgestaltung hat schon vor mehr als 200 Jahren geschlagen.

Natürlich darf die Rolle dieser Unternehmungen keineswegs nur unter dem Vorzeichen von Profit und Pression auf die zumeist unter äußerster Existenznot arbeitenden Familienbetriebe gesehen werden. Sie erfüllten durchaus auch kulturelle Funktionen. Ebnete der Handel, doch so entscheidende pädagogische Reformideen, wie der des Kindergartenvaters Fröbel anno 1840 den Weg in die Kinderstube.

Spielzeugausstellungen sind geprägt durch die Geschichten der verschiedenartigsten Puppen, Puppenstuben, Puppenhäuser, Blech- und Holzspielzeuge. Das spätmittelhochdeutsche Wort „Puppa" kommt aus dem volkslateinischen und steht für „kleines Mädchen". Die Verkleinerungsform „Pupula" für Pupille - Augenstern" , nimmt Bezug auf die verkleinerte, spiegelbildliche Abbildung des eigenen ich im Auge des gegenüber, das als kleines Püppchen im inneren des Glaskörpers zu leben scheint. Dieser magisch wirkende Effekt der Reflexion des eigenen ich im Auge des Vis-a-Vis brachte den Puppen seit alters her übersinnliche Gedankenverknüpfungen ein. Dies wird deutlich in der Austauschbarkeit der Begriffe „Puppe" und „Idolfigur" in der griechischen Geschichte. Kultbilder und Spielpuppen lassen sich sogar von der wissenschaftlichen Archäologie oft nur mit Mühe oder überhaupt nicht unterscheiden. Manche zu kultischem Gebrauch geschaffenen Figuren wurden traditioneller weise im Anschluss an die Zeremonie an die Kinder als Spielzeug übergeben. Sehr fein ausgeführte Gliederpüppchen aus gebranntem Ton fand man vor allem in Tempeln griechischer Göttinnen. Wohl vor etwa 3000 Jahren entstanden, dienten sie zunächst als Weihegeschenke, später aber auch als Kinderspielzeug.

Ton als Material für Puppen bevorzugte offenbar auch das erste nachchristliche Jahrhundert, allerdings waren sie bereits mit aufwendigen Gelenkmechanismen ausgestattet. Im Mittelalter scheint dann die Ära der Puppen aus Holz eingesetzt zu haben. Die Bezeichnung „Docke" vom Reitstock der Drechselbank hergeleitet, führte über längere Zeit zum Sammelbegriff „Dockender" für Kinderspielzeug. Ein anderes Material für Puppenkörper war später Papiermache. Mit Leim und Roggenmehl vermischt, hatte es zwar leidliche Festigkeit, war aber wegen seiner Getreidehaltigkeit auch bei Mäusen und anderen Nagern äußerst beliebt. Sicher das schönste, wenngleich auch das heikelste Material zur Herstellung von Puppenköpfen ist Porzellan in Biskuitausführung. Es ermöglicht wirklichkeitsnahe, feinste Abtönungen der menschlichen Hautfarbe und Hautstruktur.

Im Stil der zeitgenössischen Mode aufs feinste gekleidet, zählen diese kleinen Wesen der Belle Epoque mit ihren bewimperten Glasschlafaugen, kunstvolle Echthaarperücken und in Kugelgelenken beweglichen Körpern zu den Paradestücken der Puppenindustrie.

Andere Materialien folgten. Gummi verlieh den amerikanischen Puppen Unverwüstlichkeit, Zelluloid bürgerte sich in Deutschland schon ab 1878 als Vorläufer der modernen Plastikwerkstoffe für Puppen ein. Beherrschend auf Europas Puppenmarkt war zweifellos Deutschland und hier insbesondere der Thüringer Raum.
Die außerordentlich reizvollen französischen und englischen Produkte brachten es nie auf die von den deutschen Herstellern erreichten Auflagenzahlen. Die Vielzahl der damaligen Hersteller bescherte den späteren Puppensammlern ein anregendes Hobby: das Bestimmen der Kopfmarken mit ihren offenen oder versteckten Informationen über Manufaktur, Herstellungsperiode oder sogar den entwerfenden Künstler.
Die Geschichte der Puppe ist zugleich auch Geschichte der Mode. Das 18. und frühe 19. Jahrhundert gilt als Blütezeit der Modepuppen. Pariser Puppen erhielten sogar besondere Pässe, mit denen sie feindliche Grenzen überschreiten konnten, sogar während der Kontinentalsperre zwischen 1806 und 1813.
Mit der Puppe allein ist es freilich nicht getan. Sie braucht ihre Accessoires, ihre Möbel, ihre Küche, ihr Service und in letzter Konsequenz natürlich ihr eigenes Haus, zumindest aber eine standesgemäße Stube.
Mit solchen Puppenbehausungen fühlte sich die Modellbau Ader der Erwachsenen ebenso stark angesprochen, wie der Drang zum Repräsentieren. Eines der bekanntesten ersten Puppenhäuser, nämlich das der Tochter des Bayernherzogs Albrecht V., wurde Anno 1558 nicht etwa im herzoglichen Kinderzimmer, sondern in der Kunstkammer aufgestellt.

Die späteren Häuser und Stubenensembles des 17. und 18. Jahrhunderts wurden meist nicht von einer einzigen Person, sondern von einer Vielzahl zunftmäßig organisierter Handwerker gefertigt.
Puppenstuben und Puppenhäuser der damaligen Zeit werden zurecht als Spiegelbilder der zeitgenössischen Wohnkultur angesehen. Der Gang durch heutige Spielzeugläden läßt vermuten, daß die Puppenhäuser, die heute für Barbie angeboten werden, dereinst auch von unserer Kultur etwas zu berichten haben.
Blechspielzeug stellt Parallelen zum rasanten technischen Aufschwung der Industrienationen her. Genauso, wie die Stahl- und Schwerindustrie von der Entwicklung des Werkstoffes Eisen abhängig war und ist, war es über ein Jahrhundert das heute fast unbezahlbare Blechspielzeug. Dabei sind vor allem die Produkte der Firmen Märklin und Bing zu nennen. Eisenbahnen, Dampfmaschinen, Autos und Flugzeuge haben bis heute nichts von ihrer Faszination verloren.

Kultobjekt „Barbie" - Geliebtes Idol oder verdammter Konsumartikel:
Wie und wann Barbie durch Bild Lilli entdeckt und nach Amerika kam, muß hier nicht angesprochen werden.
Fest steht, kein Mädchen kommt an Barbie vorbei und sei es nur für eine kurze Epoche der Kindheit. Die unbeirrbare Liebe der Kinder auf dem ganzen Erdball machte Barbie zur erfolgreichsten Ankleidepuppe aller Zeiten. Barbies Kleider und Barbies Welt , ihre Freunde und ihr Glück, ihre Berufe und ihre Erlebnisse sind nicht nur Teil sondern auch Spiegelbilder gesellschaftlicher Trends.
Mit Barbie kam Leben in das Kinderzimmer - nicht die Wirklichkeit - sondern die Traumwelt, die uns das Fernsehen mit seinem Luxus und Flitter der High-Society vorgaukelt.
Was viele nicht für möglich hielten, Barbie hat sich den Markt des Kindes und den des Sammlers erobert und somit auch einen Platz im Museum. Barbie ist das Spielzeug, das heranwachsenden Mädchen eine Auseinandersetzung mit dem ganzen Spektrum der unterschiedlichsten Frauenrollen ermöglicht.
Barbie's Welt und Lebensgeschichte dokumentieren Mode und Alltagskultur seit dem Ende der fünfziger Jahre.
Renommierte Künstler und Designer aus dem deutschsprachigen Raum wurden aufgefordert, sich an dem Projekt „Künstler und Designer gestalten für und um Barbie" zu beteiligen. Viele Künstler und Designer beteiligten sich aus Interesse und Begeisterung für das Projekt. Die Objekte wurden in der Ausstellung im Werkbund Archiv im Martin­Gropius Bau in Berlin 1994 der Öffentlichkeit gezeigt.

Neben altem Spielzeug und Puppen zeigen wir Ihnen hier einige Barbiepuppen, von der „Bild Lilli" über Barbie als Spielpuppe bis zur Designerpuppe von Bob Mackie. Das Brautkleid von Bob Mackie entworfen, dessen kostbare Barockornamente in liebevoller Handarbeit aufgestickt und Pailletten, Perlen und Steine einzeln aufgenäht wurden, muß jedes Kind und auch jeden Sammler begeistern. Wir, das Spielzeugmuseum in Rothenburg, haben im Laufe der letzten 30 Jahre sehr viele Sonderausstellungen in anderen Museen arrangiert, so auch Barbieausstellungen, die allgemein, vor allem aber in Ostdeutschland eine sehr gute Resonanz hatten.

ROTHENBURG SPIELZEUGMUSEUMDas Spielzeugmuseum in Rothenburg wurde 1984 gegründet und zeigt in zwei Historischen Häusern 200 Jahre Spielzeuggeschichte, die von mir in 50 Jahren zusammengetragen und restauriert wurden.
Etwas zu erhalten und im Leben zu gestalten, was nicht nur für den Augenblick gedacht war; und auch in Zukunft noch Sinn machen sollte, war die Idee ein Spielzeugmuseum zu gründen. Diese Idee wurde 1954 geboren - als ich auf einer Kohlenhalde eine total desolate Gliederpuppe fand, die verbrannt werden sollte. Ich rettete sie vor dem Feuertod. Das Schicksal der armen Puppe erinnerte mich an mein eigenes Kinderspielzeug welches im Phosphorhagel 1945 verbrannte. Diese Puppe war der Anfang einer großen Sammlertätigkeit - die mich bis heute nicht losgelassen hat. Heute nach fast 23 Jahren in Rothenburg ob der Tauber kämpfen wir ums Überleben des Museums. Rückblickend war es ein Sprung ins Eiskalte Wasser, wir hatten anfangs steigende Besucherzahlen, die sich bis 1995 auf 90.000 Besucher steigerten. Ab diesem Zeitpunkt arbeitete das Museum kostendeckend. Doch dann ging es langsam aber stetig abwärts, im letzten Jahren hatten wir noch 19.000 Besucher, da reichen die Einnahmen nicht mehr um die hohen Unterhaltskosten zu decken. Seit dem Tod meines Mannes vor 6 Jahren habe ich nur noch wenige Sonderausstellungen in anderen Museen gemacht. Die letzte große Ausstellung 2000/2001 im Stadtmuseum Dresden, war die Weihnachts - Krippensammlung meines Mannes. Weihnachten 2004/5 stellten wir im Reichsstadtmuseum Ochsenhof in Bad Windsheim die Barbiesammlung aus. Zur Zeit gibt es im Spielzeugmuseum Rothenburg wechselnde kleine Sonderausstellungen. (hier wiedergegeben mit freundlicher Genehmigung von K.E.)