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Erzgebirgisches
Spielzeugmuseum Seiffen mit Freilichtmuseum
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P I E L Z E U G M U S E U M |
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Christmette zu Seiffen, Weihnachtsberg seit 1936 im Museum |
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WEIHRAUCHDUFT
UND LICHTERGLANZ
Kostbarkeiten der
weihnachtlichen Volkskunst
Die
Wertschätzung des Lichtes durch den Bergmann, als Gleichnis für
Frömmigkeit und die Wiedergeburt nach getaner Arbeit, ist zum zentralen
Weihnachtsthema der bergmännisch geprägten Erzgebirgsweihnacht
geworden. Bereits um 1800 schmückte die Erzgebirger ihre Weihnachtsstube
mit Leuchtern und Pyramiden. Dieser Brauch gewann nach 1830 wesentlich
an Bedeutung, als billigere Stearinkerzen die kostbaren Rüböllämpchen
oder Wachskerzen ersetzen konnten. Nach der Mitte des 19. Jahrhunderts
wurde das Weihnachtsfest zunehmend zu einem Fest der Familie, zu einer
volkstümlichen Lichterweihnacht. Dies führte neben der Spielzeugfertigung
zu einer bescheidenen Nebenproduktion weihnachtlicher Erzeugnisse, die
auf den heimischen Märkten vertrieben wurde. Bald standen gedrechselte
Lichterbergleute und Lichterengel in vielen Häusern und gehörten
Räuchermann und Nussknacker zum typischen Weihnachtsschmuck. |
Steiger mit einem Licht, Seiffen etwa 1950 |
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Lichterbergmann
Der
Bergmann hatte ein ausgeprägt emotionales Verhältnis zum Licht.
Es war nicht nur Beleuchtungsquelle bei seiner äußerst gefährlichen
Arbeit unter Tage sondern auch Sinnbild für Glück und Leben.
Bereits im 17. Jahrhundert dienten in Kirchen des Erzgebirges aus Zinn
gefertigte Knappenfiguren als Träger der Altarkerzen. Geschnitzte
lichtertragende Bergmannsfiguren für den privaten Gebrauch folgten
nach. Erst die im Spielzeuggebiet gedrechselte Form führte zu größerer
Verbreitung und Beliebtheit dieser weihnachtlichen Figur. Dabei wurden
Arme und Füße noch bis etwa 1920 aus Masse frei geformt. Schachthut,
Arschleder, Tscherpertasche und die schwarz-weiße Bemalung sind charakteristische
Merkmale des gedrechselten Seiffener Lichterbergmannes.
Exponate:
dutzende lichtertragende Bergleute seit 1870, Teigarmfiguren, Pärchen
mit Engel, Steigerfiguren, Glockenbergleute |
Seiffener Lichterengel um 1900 |
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Lichterengel
Der
Lichterengel ist in gedrechselter Form nicht vor 1830 nachweisbar. Als
entscheidende Vorbilder sind die Nürnberger Rauschgoldengel anzunehmen.
Sie wurden offenbar vom erzgebirgischen Holzdrechsler mit der Puppendocke
zur stehenden, hölzernen Engelfigur mit Lichtertülle und Holzflügeln
verschmolzen. Die Zeit des Biedermeier hat die Engelfigur stark beeinflusst;
eingeschnürte Taille oder Blumenornamente, in Schwämmchen- Technik
aufgetragen, sind noch heute verbreitete Attribute. Aus der Engelskrone
mit Bögen und Zacken wurde eine schlichte Drehform, die dem bergmännischen
Schachthut ähnelt.
Exponate:
dutzende lichtertragende, gedrechselte Engel seit 1870, Glockenengel, Fußengel |
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Schwebeengel
Ab
der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden im Spielwarengebiet
Seiffen sogenannte Schwebeengel als Weihnachtsschmuck. Geschnitzt oder
modelliert und oft zum aufwendig dekorierten Hängeleuchter ausgebaut,
erinnern sie an Verkündigungsengel und Verkündigungsspiele in
erzgebirgischen Kirchen.
Exponate:
Egelsfiguren geschnitzt mit Lichterkranz |
Spinnenleuchter nach Entwürfen der Fachschule |
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Weihnachts-Leuchter
Barocke
Nachwirkungen prägten im 19. Jahrhundert die Herausbildung der erzgebirgischen
Weihnachtsleuchter. Dabei hatten prächtige Glaslüster, wie der
um 1670 in der Heidelbacher Glashütte geschaffene Glashängeleuchter
in der Seiffener Kirche, Vorbildfunktion. Die aus dem Flämischen stammenden
mehrarmigen Metall-Spinnenleuchter dürften zur typischen Spinnenform
im Drechslergebiet geführt haben. In eine profilierte hölzerne
Mittelspindel sind gedrechselte, S-förmig geschwungene Lichterhalter
gesteckt. Zapfen, Glöckchen, Kugeln oder Sterne schmücken diese
Grundgestaltung. Beim Kettenleuchter hingegen werden 6 oder 8eckige Holzkränze
durch kugelbesetzte Drähte gehalten. Oft fanden zur Ausschmückung
der Leuchter auch Glasschaumkugeln Verwendung.
Exponate:
Leuchter verschiedener Formen: Kettenleuchter, Kronenleuchter, Spinnenformen
ab 1830 |
Seiffen um 1890 |
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Hängelaufleuchter
In
Anlehnung an die Pyramide bewegen sich in diesen besonderen, oft sehr üppig
ausgestatteten Leuchtern kleine figürliche Szenerien. Dem Prinzip
der Pyramide folgend werden die figurenbesetzten Scheiben in einer extra
Konstruktion geführt und über ein Flügelrad in Bewegung
versetzt. Die Wärme erzeugen verdeckt gehaltene, innen angebrachte
Kerzen oder Rüböllampen. Mitunter übernehmen den Antrieb
auch eingebaute Spieluhren oder kleine Federtriebwerke, die mit der Hand
aufzuziehen waren. Deckenlaufleuchter gehören mit ihren Figuren, Schmuckelementen,
Spiegelgläsern oder Zinnzäunchen zu den kostbarsten Volkskunstformen.
Exponate:
mehrere wertvolle Unikate seit 1870, reicher Figurenbesatz |
Seiffen 1910 |
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Weihnachts-Pyramide
Die
erzgebirgische Drehpyramide hat sich um 1800 herausgebildet. In ihr haben
Lichterbrauchtum und bergmännische Bastelei eine sinnfällige
Vereinigung gefunden. Vorläufer waren pyramidenartige, mit Girlanden
geschmückte unbewegliche Lichtergestelle, aber auch mechanisch betriebene
Bergwerksmodelle. Göpelpyramiden verdeutlichen als Erinnerung an bergmännische
Zimmermannskünste die Beziehung zwischen einer Weihnachtspyramide
und dem Bergbau am klarsten. Die Form der Stabpyramide ist in Anlehnung
an ursprüngliche Lichtergerüste entstanden. Für den Seiffener
Raum sind seit Mitte des 19. Jahrhunderts vor allem Stufen- und Stockwerkspyramiden
bedeutsam, die in Proportion und detailreicher Ausstattung zu Kostbarkeiten
des Pyramidenbaues wurden. Ihre Wirkung beruht besonders auf dem Kontrast
von gedrechselten Grundformen und geschnittenen Architekturteilen. Auf
mehreren Etagen sind thematisch Figuren- und Tiergruppen angeordnet, die
neben der biblischen Weihnachtsgeschichte auch die bergmännische Erlebniswelt
sowie das dörfliche Leben einbeziehen. Turm- und hausartige Varianten
ergänzen die Vielfalt.
Exponate:
mehrstöckige Pyramiden bis zu 2,60 m hoch, ab 1870 Unikate mit wertvollen
Figuren, Raumpyramide in der Mitte der Ausstellung mit einer Höhe
von 6,30 m |
Werkstatt Haustein, Seiffen 1900 |
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Räuchermann
Zur
Erzgebirgsweihnacht gehört seit Jahrhunderten der Weihrauchduft. Handgeformte
Räucherkerzen, aus einem Teig von gemahlener Holzkohle, Rotbuchenmehl,
Kartoffelstärke und Duftstoffen gefertigt, wurden im Westerzgebirge
bereits vor 1800 gefertigt. Die aufkommende Volks(un)sitte des Pfeiferauchens
dürfte dem Spielzeugmacher Anlass gewesen sein, die duftverströmende
Räucherkerze in eine hohlgedrehte Figur zu stellen. Die ersten hölzernen
Räuchermännchen mit aus Teig geformten Armen, Füßen
und Gesichtern werden für die Zeit um 1850 dem Heidelberger Drechsler
Ferdinand Frohs zugeschrieben. Schmauchend, mit der Pfeife im Mund, wurde
der Räuchermann neben der Darstellung von Türke und Rastelbinder
vor allem zum Abbild des gemütvollen Dorfbewohners.
Exponate:
dutzende Figuren seit 1850, mit Teigarmen, besonders aus der Werkstatt
Haustein |
Alte Seiffener Nussknacker um 1900 |
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Nussknacker
Zum
symbolträchtigen Traditionsschmuck der Weihnachtszeit gehören
Nüsse, als Zeichen des aufkeimenden Lebens ebenso wie als Bote des
Neuen und Unbekannten. Um an den "süßen Kern" zu gelangen, geriet
das Knacken der Schale oft zur kultischen Handlung. Bereits im 18. Jh.
wurden "Nußbeißer" besonders gern als Figuren mit Elementen
leiser Ironie und volkstümlicher Sozialsatire gestaltet. Als bedeutendster
Schöpfer des heute weltberühmten Seiffener Nussknackers gilt
Wilhelm Friedrich Füchtner, der nach 1870 im Nebenerwerb begann, gedrechselte,
figürliche Nussknacker herzustellen. Einfache, spielzeughaft gestaltete
Soldaten, Bergleute, Feuerwehrmänner und Polizisten gehörten
zum Sortiment der ersten Jahrzehnte.
Exponate:
Exemplare um 1900, seltene Stücke aus der Werkstatt Ullrich, Füchtner
und Langer |
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