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Erzgebirgisches
Spielzeugmuseum Seiffen mit Freilichtmuseum
S
P I E L Z E U G M U S E U M |
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Hölzerne,
einfach gedrechselte Dockenpüppchen |
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VOM
BERGMANN ZUM SPIELZEUGMACHER
In
Seiffen wird gedrechselt
Noch
heute ist die Vorstellung verbreitet, dass der Seiffener Bergmann in seiner
Freizeit geschnitzt, gebastelt oder gedrechselt habe und daraus die Spielwarenherstellung
entstanden sei. Tatsächlich jedoch war der Übergang vom Zinnbergbau
zum Holzhandwerk (und später zur Spielzeugherstellung) keine Angelegenheit
von Muse und Freizeit, sondern eine Existenzfrage. Immer dann, wenn der
Bergbau ins Stocken geriet, nahm die Anzahl der Drechsler zu. Mit dem weiteren
Verfall des Bergbaues wurde das Drechseln zum entscheidenden Beruf. Als
produktive Technologie ist es bis heute die vorherrschende Bearbeitungsform
im Seiffener Gebiet. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts wurden neben Gebrauchsgütern
zunehmend Spielzeuge gefertigt. Das Geheimnis des Aufschwungs beruht vor
allem darin, dass hier ein durch den Bergbau seit Jahrhunderten geprägter
Menschenschlag am Werke war; geistig rührig, werklich geschickt, entschlusskräftig,
anpassungsfähig, aber auch opferbereit und zäh. Seiffens Entwicklung
war kein Einzelfall. Auch andere Dörfer, z.B. der Bergort Pobershau,
nahmen eine ähnliche Entwicklung.
Exponate:
Glas, bergmännisches Gerät, Zinngefäße, gedrechselte
Holzgefäße, Drechselbänke, Modell eines Wasserkraftdrehwerkes
und Originalwerkstatt, Spielzeugmacherstube um 1900
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Werdegang
einer Kuh vom Reifen hin zum beschnitzten und bemalten Spielzeugtier |
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STAMM - RING
- TIER
Reifendrehen
seit 1800 siehe
auch reifentier.de
Eine
Besonderheit der erzgebirgischen Spielzeugfertigung ist das Reifen- oder
Spaltringdrehen. Die Eigenart dieses Verfahrens besteht darin, in einem
nassen Fichtenholzring (Reifen) mit speziellen Drechslerwerkzeugen die
Umrisse einer Figur, zumeist eines Tieres, zu formen. Beim Drehvorgang
kann der Reifendreher das Profil noch nicht sehen. Erst nach dem Aufspalten
des Ringes wird in seinem Querschnitt die beabsichtigte Gestalt sicht-
und überprüfbar. Eine Korrektur ist dann kaum mehr möglich.
Reifendrehen verlangt daher hohes drechslerisches und gestalterisches Können,
Augenmaß sowie eine ausgeprägte Formvorstellung. Die abgespaltenen
40 bis 60 Rohlinge sind anschließend zu beschnitzen und zu bemalen.
Die Technologie des Reifendrehens ist nur in Seiffen und Umgebung beheimatet
und wird heute nur noch von wenigen Reifendrehern beherrscht und ausgeübt.
Exponate:
Werdegang vom Stamm bis zum Tier, Mustersammlung, Reifenstadt, Werkstatt
um 1900 mit Drehbänken, Tiervarianten seit 1880
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Hohe
Spezialisierung zwischen den Werkstätten als eine der Grundlagen für
rationelle Fertigung |
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ERZGEBIRGISCHES
SPIELZEUG
EROBERT DIE WELT
Spielzeughandel
und Übersee-Export
Holzwaren
aus dem Erzgebirge wurden bereits im 17. Jahrhundert im Hausier- und Wanderhandel
vertrieben. Besonders früh brachte man hölzernen Hausrat sowie
Spanschachteln von den geografisch günstig gelegenen Dörfern
Grünhainichen und Waldkirchen aus zu den Märkten in Leipzig und
Dresden. Für Seiffen ist überliefert,
dass
der Drechsler Johann Friedrich Hiemann schon 1699 die Leipziger Messe besucht
haben soll. In dieser Zeit war die Stadt Nürnberg bereits zum Umschlagplatz
für hölzernes Spielzeug aus verschiedenen europäischen Gegenden
geworden. Das niedrige Lohn- und Preisniveau im Erzgebirge und die spezialisierte,
qualitätvolle Holzdrechselei im Raum Seiffen machten auch die erzgebirgischen
Holzwaren für die Nürnberger Händler interessant. Es entwickelten
sich rege Handelsbeziehungen, und von Nürnberg aus gelangten wichtige
Impulse in die erzgebirgische Produktion. Verleger kauften die einzelnen
Produkte in den Dörfern auf, stellten Sortimente zusammen und verkauften
diese gewinnbringend weiter. In dieser Vermittlerrolle hatten die erstarkenden
Verlage an der Ausbreitung der erzgebirgischen Spielwaren großen
Anteil. Noch vor 1800 gelangten Spielwaren aus dem Erzgebirge als preiswerte,
vielgestaltige und unverwechselbare Sortimente in den Welthandel.
Exponate:
Musterblätter, Preislisten, Musterkarten, Exportübersicht, Spielzeugmuster,
Verlagsübersicht
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Schachtelware
Räderarche 1900
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"KÜNSTLICHE
SPIELWAAREN ALLER ARTH"
Vielfalt
und Breite des Sortimentes im 19. Jahrhundert
Das
Sortiment an Spielwaren aus dem Erzgebirge zählte tausende verschiedene
Erzeugnisse. Verbreitet waren vor allem bewegliche und klingende Spieldinge,
wie Klappern, Klimperkästchen, Fahrspiele sowie Lärm- und Musikinstrumente.
Anregungen kamen auch aus anderen Spielzeuggebieten, vor allem aus dem
Nürnberger Raum. Neben hohlgedrehten Früchten mit kleinsten Spielminiaturen
war es die Schachtelware, die mit ihren thematischen Sortimenten die Vielfalt
des erzgebirgischen Angebotes ausmachte. Kindgerecht und belehrend zugleich
entsprachen die in Spandosen oder Kistchen verpackten Dockenfiguren, Fahrzeuge,
reifengedrehten oder massegedrückten Tiere und variantenreichen Haus-
und Baumformen der Gefühls- und Erlebniswelt ihrer Zeit. Die erzgebirgische
Arche Noah war neben anderem ein Exportschlager nach Übersee. Holzsoldaten,
Burgen und Baukästen für das Knabenspiel oder detailreich gefüllte
Puppenstuben und Kaufläden für das Mädchen entsprachen dem
damals herrschenden Rollenverständnis im Kinderspiel
Exponate:
alles vor 1900: Arche Noah, bewegliches Spielzeug, Klimperkästchen,
dutzende Fahrspiele, Kegelspiele, Puppenstuben, Kaufläden, Burg, Baukästen,
Pferde und Wagen
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Arbeitsstube
beim Klimperkastenhersteller um 1920 |
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ARBEITEN
- WOHNEN - LEBEN
Zur
sozialen Lage der Spielzeugmacher
zwischen
1850 und 1920
Für
das Spielwarengebiet kennzeichnend ist der Typ des hausindustriellen Spielzeugmachers,
der als relativ selbständiger Warenproduzent zumeist nur im Verband
seiner Familie im eigenen Haus arbeitete. Das vom ihm erzeugte Endprodukt
war sein Besitz, wurde jedoch im Preis und im Absatz durch die Abhängigkeiten
vom Groß- und Einzelhändler (Marktsituation) bestimmt. Über
Jahrhunderte war der Raum Seiffen ein von geringen Einkommen und bescheidenen
Lebensverhältnissen gekennzeichnetes Gebiet. Eine tägliche Arbeitszeit
mit durchschnittlich 13 bis 15 Stunden sowie die Mitarbeit von Kindern
waren verbreitet. Die Produktivität beruhte vor allem auf einer ausgeprägten
Arbeitsteilung und Spezialisierung. Obwohl es kaum organisierte Bewegungen
gegen soziale Missstände im Spielzeuggebiet gab, erlangten die gesellschaftlichen
Zustände durchaus auch öffentliches Interesse. Der von den Spielzeugmachern
1898 in den Reichstag gewählte Sozialdemokrat Emil Rosenow (1871-1904)
schilderte diese Verhältnisse in seiner sozialkritischen Komödie
"Kater Lampe".
Exponate:
Bilddokumente, Preistabellen, Lohn- und Einkommensübersicht um 1900
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Miniaturspielzeug
um 1920,
Zündholzschachtelware
und Miniaturstübchen
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DIE
GANZE WELT ALS MINIATUR
Miniaturspielzeug
des beginnenden 20. Jahrhunderts
Bereits
vor 1900 deuteten sich gravierende Exportprobleme an. Neben steigenden
Holzpreisen bedrohten veränderte Zollbestimmungen die erzgebirgische
Spielzeugindustrie. Anstelle von Warenwertzöllen führten wichtige
Importländer in kurzer Frist Gewichtszölle ein. Der neue französische
Generaltarif von 1881
beispielsweise
änderte den Wertzoll von 10% in einen Gewichtszoll von 60 fr. pro
100 kg um. Schweren, sperrigen Großspielzeugen war damit eine Ausfuhr
stark erschwert. In Seiffen machte sich besonders der Verleger H.E.Langer
damit verdient, den Prozess der Miniaturisierung gefördert zu haben.
Nach 1905 hat er verkleinerte Formen von Figuren, Häusern, Fahrzeugen
und Zubehör nach "Nürnberger Maß" auf den Markt gebracht.
Genial erwies sich seine Entwicklung, Kleinstspielzeug in einer Zündholzschachtel
anzubieten. Zeitgenössische Motive, beeindruckende Miniaturdrechselei,
detailgetreue Bemalung und das Vermögen, selbst kleinste Spieldinge
meisterhaft zu gestalten, wurden zu einer neuen Stärke der Seiffener
Volkskunst.
Exponate:
Miniaturfahrzeuge, Miniatursortimente, Miniaturen in der Zündholzschachtel,
Miniaturstuben, Spielzeuglandschaft mit Miniaturen
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Auguste
Müller (1847-1930) |
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VOM
SCHNITZELN UND MÄNNELMACHEN
Volkskünstler
im Spielzeugland
Aus
dem Reigen ungezählter, zumeist anonym gebliebener Hersteller heben
sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts einige wenige hervor, die durch Individualität
und gestalterische Besonderheiten öffentliche Aufmerksamkeit erlangten.
In ganz persönlicher, origineller Weise formten sie ein Bild ihrer
Zeit. Bis heute faszinieren ihre Werke durch ihre schöpferische Naivität
oder beeindrucken uns durch technologische Perfektion und künstlerisches
Niveau. Ihre Darstellungsformen reflektieren besonders das regionale Brauchtum
und die volkskünstlerische Geisteshaltung des einfachen Menschen im
Erzgebirge.
Exponate:
Volkskunst von Auguste Müller, Karl Müller, Gustav Ehnert, Louis
Hiemann, Albert Füchtner, Paul Ulbricht, Louis Haustein, Richard Langer
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Max
Schanz,
Direktor
der Seiffener Spielzeugschule 1933-1945 |
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GEWERBE
- SCHULE - ENTWURF
Ausbildung
und kunstgewerbliche Gestaltung
Fortschreitende
Industrialisierung, internationale Konkurrenz und Wirtschaftskrisen verschärften
immer wieder die wirtschaftliche und soziale Situation im Spielzeuggebiet.
Der Krisenbewältigung sollten ab der 2. Hälfte des 19. Jh. auch
staatliche Fachgewerbeschulen dienen. Besonders nach der Jahrhundertwende
setzten sich verantwortungsvolle Fachleute mit der Tatsache auseinander,
dass unter dem Zwang hin zum "Billigprodukt" die Verbindung zwischen Volkskunst
und Gewerbe abzureißen drohte. Technisierung und Rationalisierung
brachten Unsicherheiten im Umgang mit den alten Formen der Volkskunst.
Selbst Künstler wirkten als Förderer und bahnten mit Neugestaltungen
und der Rückbesinnung auf Traditionen einer zeitgemäßen
Produktästhetik den Weg. Arbeitsbeschaffung und Ersatzproduktion begleiteten
die 30er und 40er Jahre. Zugleich eröffnete die sich ausweitende gewerbliche
Produktion weihnachtlicher Gestaltungen ein alternatives Gebiet des Broterwerbs.
Exponate:
Schülerarbeiten, Muster, Wendt & Kühn, Entwürfe, gewerbliche
Entwicklungen, WHW Abzeichen, Kunstgewerbe ab 1930er Jahre
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Storchenreiter,
ein beliebtes Motiv im Kunsthandwerk auch der Gegenwart |
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TRADITION
UND ZEITGEIST
Spielzeug
und Volkskunst im Wandel
des
20. Jahrhunderts
Zeitgeschmack,
wirtschaftliche Zwänge, politische Verhältnisse und wechselnde
Wirtschaftsformen prägten das Erzgebirge des 20. Jahrhunderts. Während
die entbehrungsreichen Kriegs- und Nachkriegsjahre lediglich Quantität
und Qualität beeinflussten, erwiesen sich die DDR-Jahrzehnte, der
Einsatz von Kunststoffen sowie modische Tendenzen als gravierende Faktoren.
Viele Hersteller veränderten in den 60er Jahren ihr traditionelles
Holzspielwaren-Sortiment
zugunsten kunstgewerblicher und weihnachtlicher Artikel. Die reglementierende
Wirtschaftspolitik der DDR, die Verstaatlichung mittelständischer
Betriebe (bis 1972), die Bildung von industriellen Großeinheiten
(bis 1981) und das staatliche DDR-Außenhandelsmonopol veränderten
die Struktur der Spielzeugregion erheblich. Der Export, aber auch die Ausstattung
von Kindereinrichtungen sowie der Binnenbedarf bestimmte innerhalb
der zentralisierten Planwirtschaft Umfang und Art vieler Erzeugnisse, die
Sortimentsvielfalt ging zurück. Ein künstliches Export-, Preis-
und Lohngefüge in der DDR tat ein übriges, um den Neubeginn nach
1990 kompliziert zu gestalten.
Exponate:
Spielzeug ab 1950: Weihnachtsgestaltungen, Nußknacker, Schwibbogen,
Pyramide, Räuchermann ab 1950 bis Gegenwart, Baukästen, Puppenstuben
und Kaufläden, VERO Spielzeug
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Neue
Spielzeuge,
gestaltet
von Absolventen der Schneeberger Studieneinrichtung |
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GESTALTEN
UND BILDEN IN HOLZ
Kunst und Design
im Erzgebirge
Seit
dem Beginn des 20. Jahrhunderts hat das Interesse von Künstlern und
Wissenschaftlern am erzgebirgischen Spielzeug- und Weihnachtsland nicht
nachgelassen. Immer wieder zog es Gestalter in die Region, um hier zu leben
und einen innovativen Beitrag zu leisten. Doch auch kreative Persönlichkeiten
aus erzgebirgischen Werkstätten wirkten nach Studien an Fach- und
Hochschulen als technologische und künstlerische Schrittmacher. Neben
Einrichtungen in Sonneberg und Halle bildete seit den 60er Jahren die Fachschule
für angewandte Kunst in Schneeberg Holzgestalter aus. Produkte aus
dem Erzgebirge erringen seit Jahrzehnten Preise und Anerkennungen. Erzgebirgisches
Holzdesign setzte und setzt Maßstäbe und erwies sich als Basis
für hohen ästhetischen Anspruch und Produktionsvielfalt.
"Besonders
das Erzgebirge mit der langen Tradition der Holzspielzeugherstellung steht
für Weltoffenheit durch regionale Besonderheiten, für die Konzentration
von Herstellung und gestalterischer Kompetenz in einer Kulturlandschaft
Europas... Der Gestalter als ein Wegweiser ins nächste Jahrhundert
- das klingt zwar pathetisch, ist aber die einzige Möglichkeit, den
eklektizistischen Tendenzen im Produktionsfieber für den Tourismusbedarf
entgegenzuwirken." (Professor Gerd Kaden 1998)
Exponate:
Design und industrielle Formgestaltung, Muster, Unikate, Künstlerarbeiten,
Lehrausbildung zum Spielzeugmacher, Hochschulentwürfe, Studentenarbeiten |
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