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Erzgebirgisches
Spielzeugmuseum Seiffen mit Freilichtmuseum
F
R E I L I C H T M U S E U M |
| ENTWICKLUNG
DES FREILICHTMUSEUMS |
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Ansatzpunkt bildete
das in situ erhalten gebliebene Preißler'sche
Wasserkraftdrehwerk, in dem bereits 1956 der Versuch unternommen wurde,
Bauwerk und technische Anlage dem Besucher in Funktion zugängig zu
machen. In das Umfeld dieses Denkmales, strukturiert in einer für
die Kammlandschaft des Erzgebirges typischen Streusiedlung, wurden bis
heute 13 Gebäudekomplexe transferiert. Die Häuser, Scheunen,
Schuppen oder technischen Anlagen stammen aus der Region des mittleren
Erzgebirges. Sie waren vor allem unter dem Aspekt der traditionellen Holzbe-
und verarbeitung ausgewählt worden, welche wesentlich die ökonomischen
und soziokulturellen Bedingungen des Gebietes bestimmte. Im Mittelpunkt
dieses Museumskonzeptes steht die erzgebirgische Spielwarenfertigung, die
in ihrer Spezifik und Konzentration für einen Teil des Erzgebirges
seit über 2 Jahrhunderten identitätsprägend ist. Schließlich
ist selbst der dargestellte kleinbäuerliche Komplex im Nebenerwerb
an das bodenständige Holzgewerbe gebunden gewesen.
Unser Museum sieht seine
Aufgabe vor allem im Sammeln, Bewahren und Erforschen der bodenständigen
Sachzeugen, die im Zusammenhang mit der sozialen, handwerklichen und technischen
Entwicklung des Erzgebirges stehen. Diese Originalbelege einstiger ländliche
Alltagskultur - vom kompletten Haus mit seinem landschaftlichen Umfeld
über umfassende Werkstatteinrichtungen bis hin zum Kleidungsstück
- werden im Museum in bestimmter Beziehungsvielfalt gezeigt und sollen
sowohl der Bildung als auch der ästhetischen Erbauung dienen. Dabei
geht es weder um eine verklärte, nostalgische Idylle noch um eine
"ganzheitliche, realistische, vollständige" Darstellung der "wirklichen
"Vergangenheit. Vielmehr kann das museumsdidaktische Ziel nur darin bestehen,
Bereiche und Ausschnitte des erzgebirgischen Lebens zu dokumentieren, dies
allerdings am konkreten Beispiel und mit originalen Objekten. Wissenschaftliche
Unterstützung bei dieser Arbeit erfuhr und erfährt das Museum
vom Institut für Denkmalschutz und Volkskundlern der Region.
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Ausgangspunkt für die
Museumsarbeit bildet stets die weitestmögliche Erforschung des umzusetzenden
Gebäudes. Von Interesse sind seine ehemalige Nutzung und die Baugeschichte,
aber auch überlieferte Archivalien, wie Fotos, Urkunden, Pläne
oder Inventarverzeichnisse. In diese breit angelegte Untersuchung fließen
Erkenntnisse zu den ehemaligen Bewohnern (Lebensumstände, Berufe,
soziale und wirtschaftliche Stellung) ebenso ein wie die Erkundung des
ehemaligen dörflichen Umfeldes. Schließlich entsteht ein dem
Gebäude angemessenes museales Konzept, das festlegt, wo und wie sich
Gebäude und Einrichtung dem Besucher nach der Umsetzung ins Museumsgelände
präsentieren werden. Neben einer Zielstellung für die Baurestaurierung
und einer Ausstattungssplanung wird formuliert, welche sozialen, historischen,
technischen oder architektonischen Aussagen dem Besucher erfahrbar gemacht
werden sollen. Nur selten genügen die mit dem Haus übernommenen
beweglichen Güter, um den gewählten zeitlichen und sozialen Zustand
dokumentieren zu können. Nahezu immer bedarf es der Ergänzung,
mitunter werden Exponate verschiedenster Herkunft gebraucht, um eine gewünschte
Darstellungsabsicht zu realisieren.
Das Museum betreibt deshalb
seit seiner Gründung eine umfassende Sammlung kulturhistorischer Exponate.
Dazu gehören natürlich Haushaltgegenstände und Möbel
aller Art, besonders in ihrer regionalen Ausprägung, weiterhin Werkzeuge
und Maschinen, die typisch für erzgebirgische holzverarbeitende Berufe
waren, doch auch Ausstattungen der dörflichen Infrastruktur. Mehrere
Magazine beinhalten diesen nach Sachgruppen und Verwendungszweck geordneten
Fundus. Aufgabe des Museums ist es, die Herkunft und einstige Bezeichnung
dieser Dinge zu notieren, aber auch die sozialen oder technischen Umstände
ihrer Verwendung aufzuzeichnen. Nur so kann es gelingen, auch nach Jahrzehnten
diese Gegenstände zum "Sprechen" zu bringen.
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Die Funktion des "Bewahrens"
hat für unser Museum verschiedene Bedeutungen. Zum einen sollen Originalbauteile
wie auch authentische Bauweisen und Baustoffe überliefert werden.
Insofern werden vor und beim Abbau alle Befunde sorgfältig dokumentiert.
Ergänzungen und Restaurierungen werden, wenn das Konzept dies vorsieht,
in überlieferter Technik ausgeführt. Als größtes Problem
stellt sich die langfristige Erhaltung der mitunter über 200 Jahre
alten Bauwerke dar. Als wirksame Mittel gegen den Verfall erwiesen sich,
neben kontinuierlichen Konservierungsmaßnahmen, ein moderner Baugrund
und eine maßvolle Temperierung. Letztere ist zugleich unabdingbar,
um die mitunter unwiederbringlichen Ausstattungen der Häuser dauerhaft
erhalten zu können. Auch hat sich die Erkenntnis, Exponate in Zimmern
und Kammern vor Staub, Feuchtigkeit, Verschleiß und direktem Zugriff
zu sichern, durchgesetzt. Zwar werden Absperrungen, Schutztüren mit
Glas oder gänzlich verschlossene Museumsräume von Besuchern
bedauert, sie gehören jedoch heute zum Alltag und gliedern sich in
die zukunftsgerichtete, bewahrende Gesamtaufgabe eines Freilichtmuseums
ein.
Das Erzgebirgische Freilichtmuseum
Seiffen hofft auch in den nächsten Jahren auf eine behutsame Erweiterung.
Das Ausbau- und Sammlungskonzept umfaßt beispielsweise das Böttcherhandwerk,
die Arbeit des Schippen- oder Leitermachers. Überlegungen gibt es
zudem für einen erzgebirgischen Dorfladen nebst Gaststube und für
ein kleines Verlagshaus. Im Vordergrund jedoch stehen Erhalt und Pflege
der unter großen Aufwendungen ins Museum gebrachten Geschichtszeugnisse,
ihre Darstellung für den Besucher und qualitätvolle Demonstrationen
alter, heute nahezu vergessener Arbeitsbereiche und Techniken des Erzgebirges. |
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