ZUM SPIELZEUGMUSEUMGALERIE-AUSSTELLUNG
Oktober 2009 - März 2010

Kegel, Kugel, Kreiseldinge
Gedrechselte Spiele aus Holz
 
Anfänglich als Zweitberuf, geriet im 18. Jahrhundert die Holzbearbeitung im Seiffener Raum mehr und mehr zum bestimmenden Gewerbe. Das Drechseln, als ergiebige rationelle Technik, stand im Mittelpunkt. Offenbar gestaltete sich der Verdienst beim Drechseln bald besser als im Bergbau. Viele, ihrer einstigen Betätigung entfremdete Bergleute, kehrten auch bei späterem kurzzeitigem Aufschwung des Berggeschehens nicht in ihre alten Berufe zurück. 

Knöpfe, Feder- und Nadelbüchsen sowie andere hölzerne Hohlgefäße waren die ersten Drechslerwaren und wurden bald in größeren Stückzahlen vertrieben. Vielleicht lag einem Drechsler von damals dieser alte Spruch auf den Lippen: 

Auch drehen wir das ganze Jahr,
In dem Handwerk viel Krämerwar,
als Ludel, Becher und Schlötterlein,
Kindesständer, Hausrat groß und klein,
denn die Krämer, auch die Kaufleut!
die kaufen uns ab viel Arbeit
und führen's in die fremde Land, 
wie die selbigen sein bekannt.

Das Erzgebirge ist gewissermaßen ein (das!?) Zentrum der „optimalen“ Nutzung der Potenzen des Drechselns geworden. Es hat das „rotationssymmetrische“ Bearbeiten von Holz mit Findigkeit und seriellem Anspruch für die Fertigung verschiedenster hölzerner Spieldinge entdeckt. Von den Dockenfiguren und dem Bereich des Reifendrehens abgesehen, sind es vor allem kompakte Kleinspielzeuge, die in Verknüpfung von Effektivität und Ästhethik entstanden. Seit über 200 Jahren sind dazu immer wieder neue Lösungen gefunden worden. Beispielsweise hat man vielgestaltige Dekorformen entwickelt, die noch im Rotationszustand aufgebracht werden können. So waren das Ränderieren, das Brandreifen oder das Zinnreifen geeignet, die gedrechselten Waren recht dauerhaft mit Mustern oder umlaufenden Schmucklinien zu versehen. 
Beeindruckend ist die Vielfalt und Formschönheit der Sandspielzeuge um 1900, graziel gedechselt, blau und braun gerändert, in Gazenetzen, Kartons oder auf Sieben zum Verkauf gebracht.
In der Ausstellung sind eine Vielzahl heute kaum noch bekannter Spielzeugformen zu sehen: Kegelsets in Luxus und auch in "bäuerlicher" Ausführung, Kinder-Tuten mit und ohne Windrad, Peitschen-Kreisel, Wurf-Ringe, Garten-Kugelspiele, Korkpistolen und anderes mehr.

Gerade ein oft in der Schiebeschachtel verkauftes Sortiment mit Kugeln und Kegeln – das klassische Kinderkegelset -  wurde zum weitverbreiteten Alltagsspielzeug; in Varianten, die heute kaum noch bekannt sind. So konnte man mit kleinen Kanonen auf die Holzkegel schießen, oder man ließ die Kugel durch eine schräge Ebene in Bahnen nach unten laufen, um dann per Zufall Kegel zu treffen. Schließlich war auch per Pendelkugel das mehr oder minder treffsichere Anvisieren der 9 Kegel möglich. 

Kreiselpuppen, das Kinder-Tivolie,  gedrechselte Spielgefäße und dünnwandiges Holzgeschirr für das "typische" Mädchenspiel ergänzen die Exposition im Treppenhaus ebenso wie Varianten gedrechselter Schach- und Geschicklichkeitsspiele.


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