ZUM SPIELZEUGMUSEUMSONDERAUSSTELLUNG
März 2008- September 2008

Von Männeln und Weibeln (und Kinnern)
Zum 50. Todestag des Seiffener Volkskünstlers Karl Müller
 
Mit dem Tod Karl Müllers am 26. März 1958 ging in der volkstümlichen Figurenherstellung des Seiffener Drechselgebietes ein „historisches“ Kapitel zu Ende. Nicht nur, dass Karl Müller einer der letzten war, der an der Fußdrehbank die Rohlinge zu seinen Männeln (und natürlich zu seinen Weibeln und Kindern) fertigte. Nein, neben der überlieferten Gestaltung und Bemalung der Figurensets waren es seine Schaffenshaltung, seine Lebensumstände und der Zustand seiner Wohnstuben-Fabrikation, die man damals kaum ein zweites Mal im Spielzeugdorf oder in unmittelbarer Umgebung finden konnte. Die Figuren, die ihm heute zugeordnet werden, erfreuen sich berechtigter Weise bei Museen und Volkskunstliebhabern großer Wertschätzung, denn sie haben so in ihrem gestalterischen Duktus und in der Art der Fertigung ein Stück althergebrachter erzgebirgischer Denk- und Arbeitsweise bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hineingerettet.
Interessant am schriftlichen Müller-Nachlass sind besonders die enthaltenen Vorlagen und Impulse für spezielle Figuren, wie Quersackträger oder Ziehharmonikaspieler (Hellmuth Vogel). Leihgaben aus Privathand zeigen in der Galerieausstellung viele dieser Sonderanfertigungen; natürlich auch die Pyramidentypen von Hellmuth Vogel, zu denen Karl Müller nach Maßgabe Sortimente zulieferte. Anregungen und Aufträge für Sondergrößen und individuelle Darstellungen kamen u.a. auch vom Schwarzenberger Industriellen Friedrich Emil Krauß. 

Oft wird übersehen, dass am Figurenmachen auch  Müllers Frau beteiligt war. Gemeinsam mit ihrem Mann am Tisch sitzend, Teile anleimend, Figuren grundierend und bemalend ist Hedwig Müller auf zahlreichen Fotos wiederholt abgebildet worden. Karl Müllers Leidenschaft für Hinterglasarbeiten wird in der Ausstellung ebenfalls berührt.


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