ZUM SPIELZEUGMUSEUMSONDERAUSSTELLUNG

April 2007 - November 2007
NEUES AUS DEM SPIELZEUGLAND
Innovationen in Holz zu sehen

Auf Verbraucher- und Händlermessen wird eine Frage wohl mit am meisten gestellt: Was gibt es Neues? Das trifft auch auf die Fachmessen der erzgebirgischen Holzhandwerker zu. Der breiten Öffentlichkeit fällt es jedoch schwer, einen Überblick über die “Neuheiten” zu haben. Daher schien es reizvoll, dass sich unter dem Motto „Neues aus dem Spielzeugland“ der 1991 gegründete Verband Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller e. V. im Erzgebirgischen Spielzeugmuseum Seiffen im Rahmen einer Sonderausstellung präsentiert. Seit April 2007 zeigen sich nun über 40 Verbandsmitglieder in dieser Form zum ersten Mal in der Region. Mehr als 200 Exponate in der Sonderschau sprechen für die Breite der Kollektion und für unterschiedlichste Handschriften. Zudem können sie - ohne repräsentativ zu sein - zu derzeitigen Trends in der Branche informieren. Dabei sei es vorausgeschickt, für die Besucher der Ausstellung ist es außergewöhnlich interessant, die unterschiedlichsten technologischen und gestalterischen Ansätze zu vergleichen. Zwei Richtungen sind dabei mindestens erkennbar. Zum einen werden historisch gewachsene Motive überarbeiten und weiterentwickelt. Andere Hersteller wiederum versuchen mit unkonventionellen Gestaltungsprinzipien, mitunter auch mit ungewohnten Sichtweisen, einen “neuen”, möglicherweise auch jüngeren Kundenkreis zu erschließen. Unter den Exponaten befinden sich auch einige der im Rahmen des Wettbewerbs "Tradition und Form" bereits ausgezeichneten Erzeugnisse Dieser Wettbewerb ist übrigens eine publikums- und verkaufsfördernde Initiative, die seit 1995 jährlich besondere gestalterische Leistungen würdigt. Alle Exponate der Seiffener Ausstellung tragen natürlich das seit 1992 international verwendete Warenzeichen mit dem Slogan "Echt Erzgebirge - Holzkunst mit Herz", mit dem die Originalität und Herkunft für jedermann offen gekennzeichnet ist.

Wer die Ausstellung besucht, wird einen lichten, hellen, freundlichen, holzbetonten Gesamteindruck vorfinden. Es mag nach wie vor ein Trend sein, dass viele Erzeugnisse mit der Verlockung und dem Liebreiz des Naturmaterials Holz gestaltet sind. Traditionell waren und sind es im sächsischen Erzgebirge oft gedrechselte Grundformen, die der Maserung und Textur und dem Eigenwert des Holzes verpflichtet bleiben. Einige Hersteller nutzen abgestimmte lasierend eingesetzte Farben, um das Objekt in ein stimmungsvolles Ganzes zu tauchen. Andere aber wollen den Käufer (und Nutzer, und Liebhaber) auch durch eine kräftige, kontrastbetonte Farbigkeit begeistern. Während im Umgang mit der Farbe das traditionelle Erzgebirge seit über 250 Jahren eine kaum auszuschöpfende Vielfalt entwickelt hat, ist es bei der Formgebung und den inhaltlichen Eigenarten durchaus anders. Hier kommen Mode und Zeitgeschmack, internationale Einflüsse oder Brauchtum deutlicher zum Tragen, auch in der Seiffener Schau. Da sind zum Beispiel die schlanken, Figur betonten Frauenzimmer aus Gahlenz, die “jugendstilartige” Akzente setzen. Bezaubernd in ihrer Geradlinigkeit und Harmonie der gedrechselten Holzoberfläche - und damit durchaus neuartig - gefallen die Sets an Krippenfiguren aus der gestalterischen Hand von Günter Schwoboda (Hersteller Emil A. Schalling).  Dem Spiel mit der Drehform und der hölzernen Maserung ist beispielsweise auch die Werkstatt Uhlig aus Lengefeld verfallen. “Der Weihnachtsbaum für die Hosentasche” lesen wir an den miniaturisierten hohlgedrechselten Hülsen, die allesamt zum Öffnen sind und ein winziges “Christbäumchen” beherbergen. Eine Neuheit und eine originelle, pfiffige Idee, zumal der eine oder andere Baum zugleich als „Stehaufbäumchen“ funktioniert! Ideenreich kann selbst der Umgang mit der einfachen Kugel sein, die bereits bei Friedrich Fröbel eine Phantasie erzeugende Elementarform ist. Karsten Braune hat sie als Figurendesigner vor Jahren für sich entdeckt und gewinnt ihr in Form kugeliger Räucherfiguren und einer Kollektion von Kugelmänneln immer wieder Ungewohntes ab. 

Neuheiten zu schaffen kann auch bedeuten, seine individuelle Handschrift in unverwechselbarer Weise auszuprägen und voranzubringen. Persönlichkeit und hohes künstlerisches wie auch handwerklich-technisches Können zeichnet diesbezüglich die Arbeiten von Gotthard Steglich, Steffen Kaiser oder Günter Reichelt aus. Hier stellt sich beim Betrachter trotz neuer Motivwelten das köstliche Gefühl ein, einen unverwechselbaren (und damit typischen) Steglich oder Reichelt - oder Hillig entdecken zu können. Letzterer,  wie auch Björn Köhler, haben ihre “Fan-Gemeinschaft”, die auch in dieser Ausstellung nicht enttäuscht wird. Die sogenannten “bildnerischen” Qualitäten auch ihrer neuen Arbeiten bieten ein freudiges, humorvolles, wohl auch hintersinniges Erlebnis. 

Das Neues auch Altes sein kann, bestätigt der Blick in die Vitrine mit Neuauflagen der Grünhainichener Firma Wendt & Kühn. Neu sein zu können, bedeutet immer auch, neue Bedürfnisse des Kunden zu kennen; oder gar neue Interessen zu befördern. Dabei scheint der “spielende” Erwachsene nahezu vergessen. An die Tatsache, dass vor Jahrhunderten das Erzgebirge bereits eine Auswahl an “Salonspielsachen” für die „Erwachsenenrunde“ im Angebot hatte, knüpft beispielsweise Klaus Hübsch mit seinen Luft-, Wärme- und Pendelobjekten an. Möglicherweise gehören neben den bewegliche Kleinigkeiten in der Nuss von Friedmar Gernegroß in diese Abteilung auch die wieder neu aufgelegten Historienbaukästen der Farbrikwerkstatt Ebert. Zeittypische Formgebungen werden aber auch von Vorlieben der Kunden und durch Einflüsse von außerhalb mitgeprägt. Als Beispiel sei die mehr und mehr sich ausbreitende Verwendung des “Teelichtes” auf Pyramiden, Leuchtern und Schwibbögen genannt, gestalterisch eine Herausforderung, um die eher flache, breite Grundform des Lichtes in die traditionellen Kompositionen einzufügen. Nahezu selbstverständlich, aber wohltuend und faszinierend, sind die vielen erfolgreichen Erweiterungen bestehender Sortimente zu bemerken. Hier haben die zarten liebevollen Püppchen von Annedore Krebs internationalen Nachwuchs erhalten, dort ist im dörflichen Leben von Wolfgang Glöckner der Pferdegöpel und die Dorfschule dazu gekommen,  oder da treten im Blank´schen Konzertsaal neue Musikantenengel auf. Figuren zum Sammeln und Arrangieren – das ist übrigens ein Grundmotto, welches nicht nur bei der Firma ULMIK erfolgreich weitergetragen wird. Noch bis Anfang November 2007 kann sich jeder Ausstellungsbesucher selbst auf die Suche nach dem Neuen, Interessanten und nach dem ihn Bezaubenden machen. 

(Konrad Auerbach 07-2007)


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