ZUM SPIELZEUGMUSEUMWEIHNACHTS-SONDERAUSSTELLUNG

November 2006 bis März 2007
ROTER MANTEL - RAUSCHEBART
Motive mit dem Weihnachtsmann begleiten Spielobjekte des Japaners Aquio Nishida
 
Im Anschluss der erfolgreichen Präsentation japanischer Spieldinge von Aquio Nishida werden seine fliegenden Hasen, trabenden Pferde, pendelnden Artisten nun in eine “typisch deutsche” (?) “Weihnachtskulisse” versetzt und  die unterschiedlichsten hölzernen, erzgebirgischen Motive das Bewegungsspielzeug des japanischen Designers in den Vitrinen begleiten. Mit der Gegenüberstellung sollen interessante, mehr noch aber amüsante Museums- und Weihnachtsmanngeschichten erzählt werden.

Im Weihnachtsmann als jüngsten aller Gabenbringer sind die Wesenszüge der zwei älteren “Kollegen”  - Nikolaus und Ruprecht - gewissermaßen verschmolzen. Dabei hat der Nikolaus die wesentlicheren Attribute beigesteuert. Er brachte (oder bringt) die kleinen Gaben, oft zu Pferde reitend. Unter seinen nach Landschaft und Epoche verschiedensten“mythologischen” Begleitern und Dienern (u.a. Krampus, Glockenschellmann, Hullefrau usw.) war in Deutschland verbreitet der “Knecht Ruprecht” zu finden. Er ist eher der “Kinderschreck”, die Negativfigur - von ihm erbte der Weihnachtsmann die Rute. Mundartlich wurde und wird im Erzgebirge der Begriff des Ruprecht oft bis heute synonym für Weihnachtsmann verwendet. Dabei müsste er wohl unterschieden werden, auch seine ursprüngliche Rolle in der Erzgebirgsweihnacht. 

Wann genau das Motiv des Weihnachtsmannes erstmalig in die Figurenwelt des Erzgebirges gekommen ist, lässt sich wohl nicht mit Sicherheit erkunden. Entscheidend gewesen sein dürfte durchaus auch der “modernisierte” Typ einer Geschenkeweihnacht in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts und die damit verbundene Reklame. Warenkataloge des Erzgebirges um 1935 zeigen bereits Weihnachtsmänner als Räuchermann, Lichterträger oder in Miniaturfahrzeugen.

Nahezu legendär erinnern sich manche der Wackelfigur “Ruprecht”, die wohl Mitte der 1930er Jahre von Max Schanz gestaltet und in kleiner Auflage auch zur Handelsware wurde. Der Weihnachtsmann als Wahrzeichen der modernen Weihnachtszeit hat mit den 1950er Jahren in der erzgebirgischen Spielwarenwelt immer mehr Verbreitung gefunden. Das Thema war willkommen, um den Kreis der Schmuck- und Schenkfiguren zu erweitern, zumal das Motiv des Weihnachtsmannes sinnbildhaft die zunehmend auf den Gabentag orientierte Weihnacht des ausgehenden 20. Jahrhunderts repräsentierte und international bekannt war. Nun ist er vielgestaltig Räuchermann oder Nussknacker, ist Wichtel oder Weihnachts- Schlittenlenker geworden, fährt auf einem Motorrad oder im offenen Sportwagen, zieht Schlitten oder Spielzeugeisenbahnen, steht vor verschneiter Landschaft im Schwibbogen, sitzt an der Orgel im Engelsorchester oder agiert auf Spieldosen und Pyramiden. Erstaunlich, wie viele verschiedene Handwerksmeister und Manufakturen sich in den letzten 60 Jahren, besonders aber nach 1990, des Motives angenommen haben. 

Auszeichnungen und Preise für “Tradition und Form” gab es in den lezten 12 Jahren: Zum Beispiel 1995 für den Weihnachtsmann als Knobelfigur der Reichel-Werkstätten, 1998, 2002 und 2004 als Räuchermann im neuen Design, 2002 in Gestalt der Weihnachtshühner von Torsten Martin, 2004 in moderner, frischer, augenzwinkender Verwandlung bei Björn Köhler und schließlich 2006 aus der Hand von Bettina Franke in Art der traditionellen Flächenschnitzerei. Die umfangreiche Ausstellung mit über 200 Varianten war nur möglich auf Grund der großzügigen Schenkungen vieler Hersteller und etlicher Leihgeber. Das Spielzeugmuseum möchte sich auch auf diesem Wege recht herzlich bedanken.
 


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