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Die
Ausstellung "Das Knaben Weihnachtstraum" entführt in sinnlicher Weise
in die Historie des Heiligabends. Im Mittelpunkt stehen all die -
oft nicht erfüllbar gewesenen - Träume und Gabenwünsche
der Knaben. Solcherart Spielwaren für Jungen befassten sich oft mit
der Welt der Technik, der Arbeit und des Militärs. Welcher Junge träumte
vor Jahrzehnten nicht davon, am Weihnachtstag unter dem Christbaum ein
Holzpferd mit Wagen, eine Soldatenschere oder eine exotische Menagerie
vorzufinden. Nicht nur Kinderherzen schlugen höher, wenn ein stattlicher
Kaufladen mit all dem wundervollen Zubehör zu den Weihnachtgaben gehörte.
Das Kind im Erwachsenen (oder im Manne) erwachte besonders dann, wenn die
hölzerne Eisenbahn im Zimmer aufgebaut wurde. Landschaften waren zu
bilden, mit Häusern, Fahrzeugen, Brücken und Figuren. Burgenanlagen,
Kanonen, ja ganze Heerlager mit allem was dazugehört, waren gängige
Jungenspielzeuge, zumal das gesellschaftliche Rollenspiel diese Zuordnung
legitimierte. Das heimliche Verlangen nach Festung, Reiterarmee oder einer
Korkenpistole musste zumeist ein bedeutsamer Weihnachtswunsch werden, denn
gekauftes Spielzeug war in der Regel dem Gabentisch vorbehalten.
Das
besonders Kinder zu Weihnachten mit Geschenken bedacht werden, ist seit
dem 16. Jahrhundert belegt, doch als Familienfest mit allgemeiner Bescherung
hat sich der Heiligabend erst mit der Biedermeiermeierzeit herausgebildet.
Für die Kinder geriet damit der Ort, von welchem die wundervollen
Gaben kamen, zur mystischen und unerreichbaren Ferne, zur Heimat des Christkindes
oder zur mit fleißigen Wichteln angefüllten Werkstatt des Weihnachtsmannes.
Manches Kind hing in den Wochen vor dem Fest seinen “Weihnachtsträumen”
nach - Religiöses vermischte sich mit Praktisch-Elementarem. Ein erheblich
geordnetes Familienleben Ende des 19. Jahrhunderts, vor allem vom mittleren
Bürgertum aufwärts, begünstigte die weihnachtliche Schenk-Kultur
und verhalf dem Gabentisch einschließlich des Christbaumes zur zentralen
Bedeutung.
Gekauftes
Spielzeug, zumal als Repräsentation des gesellschaftlichen Standes
und einer bürgerlichen, Kind orientierten, bildungsorientierten Häuslichkeit
verstanden, war sicherlich Privileg für Kinder der Oberschicht. Aber
generell war Weihnachten um 1900 für viele Familien eine Zeit, in
welcher die “kostbaren” Spieldinge nicht nur verschenkt wurden sondern
auch in Benutzung kamen. Manche Standardspielwaren, wie Burgen, Eisenbahnen,
Puppenstuben, Kaufläden oder auch die Arche mit ihrer Tierbesatzung
wurden vielerorts ausschließlich in den Weihnachts- und Wintertagen
hervorgeholt. Dann wurde die “Weihnachtsstube” zugleich zur Kinderstube,
zum Spielzimmer.
Exemplarisch
führen 6 typisch dekorierte Bäume die stilistischen und inhaltlichen
Wandlungen des Schenkens und Schmückens vor. Beginnend am Ende des
19. Jahrhunderts, über den Jugendstil sowie den 1.Weltkrieg, den 1930er
Jahren werden die Veränderungen bis in die jüngste Vergangenheit
hin nachgezeichnet. Dazu gehören selbstverständlich jene zeitgemäßen
Spielzeuge, die als Knaben- oder Mädchengabe den Weihnachtsabend zu
einem Höhepunkt werden ließen. Unter dem Weihnachtsbaum haben
sich da gleichsam Ansichten und Einsichten der jeweiligen Epoche offenbart.
Mitunter waren es etwa prächtige Einzelstücke - z.B. ein mit
einem Echtbalg überzogenes Schaukelpferd, die das Kind in der gutgestellten
stadtbürgerlichen Familie vorfand. Oder aber kam ein bescheidener
Baukasten mit einfachen Klötzen unter dem geschmückten Tannengrün
zum Liegen. Der Weihnachtsbaum als Gegenstand und Ort des Schenkens und
der Erfüllung der Hoffnungen vom Wunschzettel wurde stets auch zum
Spiegelbild gesellschaftlicher Befindlichkeit; beispielsweise im Kriegsjahr
1914, als die Stimmung mitunter noch von großnationaler Euphorie
in den Farben Schwarz-Weiß-Rot getragen wurde. Schmuck und Spielzeug
in der Ausstellung lassen erleben, wie der Wandel des Baumes zugleich für
den sozialen Status stand und steht.
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