ZUM SPIELZEUGMUSEUMWEIHNACHTS-SONDERAUSSTELLUNG

November 2005 bis März 2006
Des Knaben Weihnachtstraum
Holzspielzeug für Jungen (und Mädchen) unterm Christbaum
 
Die Ausstellung "Das Knaben Weihnachtstraum" entführt in sinnlicher Weise in die Historie des Heiligabends. Im Mittelpunkt stehen all die  - oft nicht erfüllbar gewesenen -  Träume und Gabenwünsche der Knaben. Solcherart Spielwaren für Jungen befassten sich oft mit der Welt der Technik, der Arbeit und des Militärs. Welcher Junge träumte vor Jahrzehnten nicht davon, am Weihnachtstag unter dem Christbaum ein Holzpferd mit Wagen, eine Soldatenschere oder eine exotische Menagerie vorzufinden. Nicht nur Kinderherzen schlugen höher, wenn ein stattlicher Kaufladen mit all dem wundervollen Zubehör zu den Weihnachtgaben gehörte. Das Kind im Erwachsenen (oder im Manne) erwachte besonders dann, wenn die hölzerne Eisenbahn im Zimmer aufgebaut wurde. Landschaften waren zu bilden, mit Häusern, Fahrzeugen, Brücken und Figuren. Burgenanlagen, Kanonen, ja ganze Heerlager mit allem was dazugehört, waren gängige Jungenspielzeuge, zumal das gesellschaftliche Rollenspiel diese Zuordnung legitimierte. Das heimliche Verlangen nach Festung, Reiterarmee oder einer Korkenpistole musste zumeist ein bedeutsamer Weihnachtswunsch werden, denn gekauftes Spielzeug war in der Regel dem Gabentisch vorbehalten. 

Das besonders Kinder zu Weihnachten mit Geschenken bedacht werden, ist seit dem 16. Jahrhundert belegt, doch als Familienfest mit allgemeiner Bescherung hat sich der Heiligabend erst mit der Biedermeiermeierzeit herausgebildet. Für die Kinder geriet damit der Ort, von welchem die wundervollen Gaben kamen, zur mystischen und unerreichbaren Ferne, zur Heimat des Christkindes oder zur mit fleißigen Wichteln angefüllten Werkstatt des Weihnachtsmannes. Manches Kind hing in den Wochen vor dem Fest seinen “Weihnachtsträumen” nach - Religiöses vermischte sich mit Praktisch-Elementarem. Ein erheblich geordnetes Familienleben Ende des 19. Jahrhunderts, vor allem vom mittleren Bürgertum aufwärts, begünstigte die weihnachtliche Schenk-Kultur und verhalf dem Gabentisch einschließlich des Christbaumes zur zentralen Bedeutung. 

Gekauftes Spielzeug, zumal als Repräsentation des gesellschaftlichen Standes und einer bürgerlichen, Kind orientierten, bildungsorientierten Häuslichkeit verstanden, war sicherlich Privileg für Kinder der Oberschicht. Aber generell war Weihnachten um 1900 für viele Familien eine Zeit, in welcher die “kostbaren” Spieldinge nicht nur verschenkt wurden sondern auch in Benutzung kamen. Manche Standardspielwaren, wie Burgen, Eisenbahnen, Puppenstuben, Kaufläden oder auch die Arche mit ihrer Tierbesatzung wurden vielerorts ausschließlich in den Weihnachts- und Wintertagen hervorgeholt. Dann wurde die “Weihnachtsstube” zugleich zur Kinderstube, zum Spielzimmer.

Exemplarisch führen 6 typisch dekorierte Bäume die stilistischen und inhaltlichen Wandlungen des Schenkens und Schmückens vor. Beginnend am Ende des 19. Jahrhunderts, über den Jugendstil sowie den 1.Weltkrieg, den 1930er Jahren werden die Veränderungen bis in die jüngste Vergangenheit hin nachgezeichnet. Dazu gehören selbstverständlich jene zeitgemäßen Spielzeuge, die als Knaben- oder Mädchengabe den Weihnachtsabend zu einem Höhepunkt werden ließen. Unter dem Weihnachtsbaum haben sich da gleichsam Ansichten und Einsichten der jeweiligen Epoche offenbart. Mitunter waren es etwa prächtige Einzelstücke - z.B. ein mit einem Echtbalg überzogenes Schaukelpferd, die das Kind in der gutgestellten stadtbürgerlichen Familie vorfand. Oder aber kam ein bescheidener Baukasten mit einfachen Klötzen unter dem geschmückten Tannengrün zum Liegen. Der Weihnachtsbaum als Gegenstand und Ort des Schenkens und der Erfüllung der Hoffnungen vom Wunschzettel wurde stets auch zum Spiegelbild gesellschaftlicher Befindlichkeit; beispielsweise im Kriegsjahr 1914, als die Stimmung  mitunter noch von großnationaler Euphorie in den Farben Schwarz-Weiß-Rot getragen wurde. Schmuck und Spielzeug in der Ausstellung lassen erleben, wie der Wandel des Baumes zugleich für den sozialen Status stand und steht.
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