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In
den 1960er Jahren waren viele neuartige, moderne, zeittypische Produkte
entworfen worden oder hatten bestehende verdrängt. Etliche jener damals
neu gestalteten Erzeugnisse sind späterhin noch Jahrzehnte lang, wenn
auch mitunter abgewandelt, in der seriellen Herstellung gewesen, manche
sind “Klassiker” geworden. Die Ausstellung bestätigt die These, dass
sich in den 1960er Jahren bei etlichen Herstellern ein Wechsel im Sortiment
vom eigentlichen Spielzeug hin zum Gebrauchsschmuck, hin zu weihnachtlichen
oder österlichen Dingen vollzogen hat. Hilfreich gestaltete sich die
Durchsicht der im Museumsfundus befindlichen Warenkataloge und Dokumente
in der Bibliothek. Prinzipiell ist die Ausstellung in zwei Bereiche unterschieden:
Auf der einen Seite sind mit “kunsthandwerklichen” Belegstücken -
dankenswerter Weise auch mit über 80 wertvollen Leihgaben an Mustern,
Zeichnungen oder Briefen - einzelne Meisterbetriebe vorgestellt, auf der
anderen werden Neuentwicklung und Standards der kleinindustriellen Spielzeugfertigung
gezeigt, von den Baukastenproduzenten in Blumenau und den Puppenmöbelproduzenten
in Seiffen bis hin zu der sich 1966 neu formierten VERO.
Die
frühen 1960er Jahre prägten mit der Preisgestaltung, der Materialbeschaffung,
mit dem Absatz, mit veränderten Kosten, administrativen Forderungen
und komplizierten Genehmigungs- und Kalkulationsverfahren den Handwerkeralltag.
Werner Gläßer erinnert sich: “Bereits 1932 begann in der Werkstatt
von P. Arthur Gläßer die Fertigung von Kleinpyramiden. Außerordentlich
erfolgreich und in großen Stückzahlen. Diese Pyramidenserie
musste 1966 aufgegeben werden, da der Preis zu niedrig für die gestiegenen
Kosten wurde (Preisstopverordnung) und viele Zulieferteile (Scheiben, Reifentiere)
nicht mehr beschaffbar waren.... Da es bei Strafe verboten war, die Herstellerpreise
für laufende Artikel zu erhöhen, mussten diese wenigstens geringfügig
verändert werden... Nicht in jedem Fall war das eine optische Verbesserung,
aber es war die einzige Möglichkeit.” Zugleich vollzog sich dabei
in vielen Handwerksbetrieben der Prozess des Suchens nach neuen Produkten
und auch danach, wie man der “neuen Zeit” mit “modernen” Motiven,
etwa in Form des “Sandmännchens” usw. begegnen könnte. Viele
junge Handwerksmeister hatten zwischen 1950 und 1960 ihren Meisterbrief
abgelegt, das eigene Gewerbe eröffnet. Zum Teil waren sie die letzten
Absolventen der “Staatlichen Spielwarenschule” in Seiffen. In den Objekten
der Ausstellung kommen diese handwerklichen Voraussetzungen und gestalterischen
Forderungen zum Ausdruck und es werden mitunter der “Fachschul-Duktus”
und die Ornamentsprache der dortigen Ausbildung weiterhin genutzt.
Neu
entwickelte, geschnittene, flächige Pyramidenfiguren, etwa von Heinz
Lorenz, Olbernhau-Hirschberg (1965) oder von Gunter Müller,
Seiffen (um 1960) waren tatsächlich ein ungewohnter Ansatz. Gunter
Müller verweist darauf, dass bei notwendiger Umstellung auf neue Produkte
in seinem elterlichen Puppenmöbelbetrieb (Edmund Müller) z.B.
hauseigene Erfahrungen in der Handbemalung oder im drechslerischen Bereich
gering waren, und daher “Geschnittenes” technologisch bevorzugt wurde.
Diese Tendenz korrespondiert mit den geschnittenen Räuchermanntypen,
für VERO von Hans Reichelt um 1967 entworfen, bei denen der Einsatz
von kantigen, durch die Holzmaserung strukturierten Flächen bis heute
beeindruckende, modern erscheinende ästhetische Qualitäten hat.
Das Nachdenken über neue Formen und Ausdrucksmöglichkeiten bestimmte
für mehrer Handwerksmeister das 60er Jahrzehnt. Einfluss darauf hatten
auch Formgestalter wie Hans Brockhage, Helmut Flade oder Manfred Preißler,
die mit ungewohnten Sichtweisen konfrontierten. Auch Unterweisungen und
Übungen durch Hans Reichelt haben in der Handwerkerschaft Raum für
das Experiment und die Gestaltungs-Studie geschaffen. Heinz Auerbachs Suche
nach Neuem und “Schönem” wird in der Ausstellung mit mehreren Stücken
belegt. Um 1964 herum entstehen schließlich erste Formen eines
neuen Baukasten- und Konstruktionssystems. Als “Bau-Mit” tragen frühe
Schachteln bereits das neue Logo “Spielzeugschiffchen mit Wortmarke VERO”.
Kreativ werden nicht nur in Seiffen, sondern auch in der Baukastenfabrik
Reuter, Blumenau, interessante Neuschöpfungen in die Herstellung genommen.
Dazu gehört der Hubschrauber “Mücke” (E. Reuter KG, ab 1961),
die Reihe der Berbis-Kästen, oder die Fahr- und Steckspiele “Combi
Max” und “Bastel-Fritz”. Für heute mit beeindruckenden Spielmöglichkeiten
ausgestattet zeigen sich auch Bau- und Spielsortimente der Baukastenfabrik
Louis Engel, Blumenau.
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