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Neben
hölzernen Erzeugnissen wurden im Erzgebirge seit Anfang des 19. Jahrhunderts
auch aus "Masse" gedrückte Spieldinge hergestellt. Während geschnitzte
Figuren vergleichsweise teuer waren, konnten detailreich modellierte, wirklichkeitsnah
bemalte Massefiguren ein preiswerter Ersatz sein. Auch im böhmischen
Erzgebirge, in der Seiffener Region und im Raum Waldkirchen fand diese
Technologie ihre Anwendung. Steigende Holzpreise, doch vielmehr der Käuferwunsch
nach naturgetreuen Darstellungen ließen solcherart Figuren nach 1850
größere Verbreitung finden. Obwohl die Verwendung von Papiermaché
in der erzgebirgischen Spielwarenherstellung nur geringe wirtschaftliche
Bedeutung erlangte, so sind diese Erzeugnisse dennoch volkskünstlerisch
reizvoll.
Die
verarbeitete Masse bewegte sich je nach Eigenart des Herstellers vom sogenannten
Brotteig bis zu reiner Papiermaché. Nur wenige Stücke sind
freihand modelliert. Im allgemeinen wurden Figuren, Tiere oder andere Kleinteile
in spezielle Formen gedrückt. Während ältere Formen aus
Holz geschnitzt waren, kam später das in Thüringen entwickelte
Verfahren der Schwefelform zum Einsatz. Die größte Verbreitung
hatten jedoch Formen aus Gips und Metall. Bei Metallformen wird eine Zinn-Blei-Legierung
um das Urmodell herum in die zwei Formhälften gegossen. Gedrückte
Figuren waren nach dem Trocknen zu entgraten und mit Leimfarbe zu bemalen.
Vielfältige
Versuche wurden unternommen, um die Herstellung von Massefiguren im Erzgebirge
auszuweiten. Selbst an den Spielzeugschulen gehörte seit 1860 diese
Technologie zur Ausbildung. Verbindungen zur thüringer Papiermaché-Technologie
sind nachweisbar. “Brotteigmännelchen” und “Massetiere” schmückten
so “Christgeburten” oder Weihnachtspyramiden. Eigentümlich wurden
seit 1850 den hölzernen Dockenfiguren, vor allem im weihnachtlichen
Brauchtumsbereich, Arme, Füße oder Gesichter aus “Teig”
anmodelliert oder in Formen gedrückte Massekörper mit reifengedrehten
Armen und Beinen versehen. Die Schau präsentiert über 25 persönliche
Handschriften einstiger Hersteller und deren individuelle Ausdrucksformen.
Mit der Unterstützung vieler Leihgeber und Volkskundler kann so erstmals
ein Überblick zur Historie der Massefigurenherstellung im Erzgebirge
gegeben werden. Neben der Vielfalt dieser Figurenwelt aus Masse und Papiermaché
auf 65 Vitrinenböden, die ältesten Stücke stammen
aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, sind umfangreiche Belegstücke
an Blei- und Gipsformen zu sehen. Alfred Reichelt (1872-1944), wohnhaft
in Seiffen-Heidelberg, stellte beispielsweise vor allem in Gips- oder Schwefelformen
gedrückte Tiere her. Zu seinen Waldsortimenten gehörten zusätzlich
Förster, Jäger und Jagdhelfer. Typisch für ihn ist die Verwendung
von farbigem Holzmehl und Tuchstaub, mit dem das samtige Fell der Tiere
oder die Kleidung wiedergegeben wird. Wie andere auch stellte Alfred Reichelt
die Masse nach eigener Rezeptur selbst her. Er verwendete aufgeweichtes
Zeitungspapier, Kehrmehl, Schlämmkreide und Perlleim. Viele große
Tiere wurden in Teilen hohlgedrückt und dann zusammengesetzt. Nähte
und Übergänge sind durch Masseteig überformt und geglättet
worden.
Vielgestaltige
Szenerien der Ausstellung befassen sich u.a. mit Krippenfiguren und Krippen,
mit Räuchermännern, Zwergen, bäuerlichen Figuren im Spielzeug,
mit Stadtfiguren, Jagdszenen und Wild, Zoo, auch mit Puppenstubenzubehör
usw. Dazu bilden Reproduktionen von Musterblättern als Wandgalerie
den druckgrafischen Hintergrund. Eine spezielle Abteilung widmet sich den
Fragen der Technologie und der Herstellung (Modellieren und Drückverfahren,
Formen, Werdegänge, Schnittfiguren). Eine exemplarisch aufgebaute
Werkstatt, mit auf Brettern aufgelegten Rohstücken, Mustervorlagen,
Arbeitsstischen und der Darstellung des hausindustriellen Wohnmilieu, bildet
einen Rückblick in die einstige Lebenswirklichkeit.
Herrn
Claus Leichsenring, namhafter Erforscher und Publizist des Themas "Massefiguren",
gilt der Dank für großzügig Leihgaben und konzeptionelle
Hilfe. |