ZUM SPIELZEUGMUSEUMVOLKSKUNDLICHE SONDERAUSSTELLUNG 

17. November 2004 - 31. März  2005
Gedrückt & bemalt
Weihnachtsfiguren und Spielzeug aus Masse und Papiermaché


 
Neben hölzernen Erzeugnissen wurden im Erzgebirge seit Anfang des 19. Jahrhunderts auch aus "Masse" gedrückte Spieldinge hergestellt. Während geschnitzte Figuren vergleichsweise teuer waren, konnten detailreich modellierte, wirklichkeitsnah bemalte Massefiguren ein preiswerter Ersatz sein. Auch im böhmischen Erzgebirge, in der Seiffener Region und im Raum Waldkirchen fand diese Technologie ihre Anwendung. Steigende Holzpreise, doch vielmehr der Käuferwunsch nach naturgetreuen Darstellungen ließen solcherart Figuren nach 1850 größere Verbreitung finden. Obwohl die Verwendung von Papiermaché in der erzgebirgischen Spielwarenherstellung nur geringe wirtschaftliche Bedeutung erlangte, so sind diese Erzeugnisse dennoch volkskünstlerisch reizvoll. 

Die verarbeitete Masse bewegte sich je nach Eigenart des Herstellers vom sogenannten Brotteig bis zu reiner Papiermaché. Nur wenige Stücke sind freihand modelliert. Im allgemeinen wurden Figuren, Tiere oder andere Kleinteile in spezielle Formen gedrückt. Während ältere Formen aus Holz geschnitzt waren, kam später das in Thüringen entwickelte Verfahren der Schwefelform zum Einsatz. Die größte Verbreitung hatten jedoch Formen aus Gips und Metall. Bei Metallformen wird eine Zinn-Blei-Legierung um das Urmodell herum in die zwei Formhälften gegossen. Gedrückte Figuren waren nach dem Trocknen zu entgraten und mit Leimfarbe zu bemalen.

Vielfältige Versuche wurden unternommen, um die Herstellung von Massefiguren im Erzgebirge auszuweiten. Selbst an den Spielzeugschulen gehörte seit 1860 diese Technologie zur Ausbildung. Verbindungen zur thüringer Papiermaché-Technologie sind nachweisbar.  “Brotteigmännelchen” und “Massetiere” schmückten so “Christgeburten” oder Weihnachtspyramiden. Eigentümlich wurden seit 1850 den hölzernen Dockenfiguren, vor allem im weihnachtlichen Brauchtumsbereich,  Arme, Füße oder Gesichter aus “Teig” anmodelliert oder in Formen gedrückte Massekörper mit reifengedrehten Armen und Beinen versehen. Die Schau präsentiert über 25 persönliche Handschriften einstiger Hersteller und deren individuelle Ausdrucksformen. Mit der Unterstützung vieler Leihgeber und Volkskundler kann so erstmals ein Überblick zur Historie der Massefigurenherstellung im Erzgebirge gegeben werden. Neben der Vielfalt dieser Figurenwelt aus Masse und Papiermaché auf  65 Vitrinenböden, die ältesten Stücke stammen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, sind umfangreiche Belegstücke an Blei- und Gipsformen zu sehen. Alfred Reichelt (1872-1944), wohnhaft in Seiffen-Heidelberg, stellte beispielsweise vor allem in Gips- oder Schwefelformen gedrückte Tiere her. Zu seinen Waldsortimenten gehörten zusätzlich Förster, Jäger und Jagdhelfer. Typisch für ihn ist die Verwendung von farbigem Holzmehl und Tuchstaub, mit dem das samtige Fell der Tiere oder die Kleidung wiedergegeben wird. Wie andere auch stellte Alfred Reichelt die Masse nach eigener Rezeptur selbst her. Er verwendete aufgeweichtes Zeitungspapier, Kehrmehl, Schlämmkreide und Perlleim. Viele große Tiere wurden in Teilen hohlgedrückt und dann zusammengesetzt. Nähte und Übergänge sind durch Masseteig überformt und geglättet worden.

Vielgestaltige Szenerien der Ausstellung befassen sich u.a. mit Krippenfiguren und Krippen, mit Räuchermännern, Zwergen, bäuerlichen Figuren im Spielzeug, mit Stadtfiguren, Jagdszenen und Wild, Zoo, auch mit Puppenstubenzubehör usw. Dazu bilden Reproduktionen von Musterblättern als Wandgalerie den druckgrafischen Hintergrund. Eine spezielle Abteilung widmet sich den Fragen der Technologie und der Herstellung (Modellieren und Drückverfahren, Formen, Werdegänge, Schnittfiguren). Eine exemplarisch aufgebaute Werkstatt, mit auf Brettern aufgelegten Rohstücken, Mustervorlagen, Arbeitsstischen und der Darstellung des hausindustriellen Wohnmilieu, bildet einen Rückblick in die einstige Lebenswirklichkeit. 

Herrn Claus Leichsenring, namhafter Erforscher und Publizist des Themas "Massefiguren", gilt der Dank für großzügig Leihgaben und konzeptionelle Hilfe.



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