ZUM SPIELZEUGMUSEUMAUSSTELLUNGEN ARCHIVIERT
Ausstellungsdokumentation 

Erzgebirgisches Spielzeugmuseum Seiffen  - Dezember 2002 bis Januar 2003
Sammeln und Bewahren


Als ein umfassendes Resümee zur Sammeltätigkeit der letzten 10 Museumsjahre ist die Ausstellung weniger gedacht. Vielmehr können und sollen Stücke vorgestellt werden, die bezeichnend für das vergangene Erwerbungsjahrzehnt angesehen werden können. Veränderte Möglichkeiten des Sammelns hatten sich ergeben, man konnte Kontakte ins Ausland pflegen, vermochte sich international auch auf Auktionen umzuschauen und hatte mit dem Aufbau des Fördervereins die Chance, persönlich engagierte Mitstreiter außerhalb des Seiffener Raumes zu finden. Geradezu überwältigend war da z.B. die Anteilnahme aus den USA oder der Schweiz, wo mehrere Spielzeug- und Seiffen Begeisterte mit Schenkungen oder günstigen Vermittlungen den Sammlungsbestand gerade älterer Spielwaren beförderten. Die Abteilungen der Archenschiffe oder der sogenannten Treppenläufer wären ohne solche internationalen Beziehungen bescheiden klein geblieben. Dass es nur wenige Erwerbungen über Ersteigerungen gibt, ist angesichts der immer weiter in die Höhe schießenden Sammlerpreise verständlich. Doch auch hier ließen sich “Schnäppchen” machen. An dieser Stelle sei ganz offiziell an Vereinsmitglieder ein Danke für Hinweise oder gar Mitorganisation von Exponaten ausgesprochen.

Erstaunt hat selbst Museumsmitarbeiter, dass nach 1990 in die Seiffener Sammlung gar 4 verschiedene, sogenannte “Sturzmännel” gekommen waren. Neben der Neukreation von Wolfgang Werner belegt ein anderes, mit grauem Schmuckpapier beklebter Kasten einschließlich des vorzüglich erhaltenen Turnkünstlers (offenbar vor 1900 hergestellt), auf dem kleinen Klebeettiket im Kasteninneren den einstigen Verkäufer: “HAMLEY’S Noah’s Ark Toy Warehouse LONDON”. Nummer drei im Bunde jener Kostbarkeiten ist ein Chinesischer Doppelläufer und schließlich als vierte Rarität wurde dem Museum ein großes, mit 5 Stufen ausgestattetes “Sturzmännel”-Ensemble geschenkt.

In der Ausstellung hervorzuheben sind grafische Arbeiten sowie Druck- und Arbeitsentwürfe. Hier reicht der Bogen vom einstigen Fachschuldirektor Prof. Albin Seifert (Entwürfe, Bilder, Grafik von 1885-1935) bis zur Forschungs- und Entwicklungsabteilung des VERO Olbernhau (1970er bis 80er Jahre). Der Besucher erhält bei letzterem einen kleinen Einblick in die Entwurfs- und Planungsarbeit des einstigen VERO Betriebes, u.a. bei Spielanleitungen und Verpackungen. Recht bedeutsam inzwischen sind auch die Belege an Messeauszeichnungen und dazugehörigen Medaillen. Druckerzeugnisse der Zöblitzer Firma Knäbchen und Belege ihrer Herstellung (Druckvorlagen Druckstöcke) stehen übrigens in der Ausstellung beispielhaft für viele andere Archivbestände, die sehr gepflegt werden.
Als ausgefallene Exponate der Schau gelten Baukastensysteme der sogenannten “DDR- Konsumgüterproduktion”, bei der viele Betriebe verpflichtet waren, artfremde Erzeugnisse für den “Konsum-Bedarf” der Bevölkerung zu fertigen. Hölzerne Bausteine, in Beuteln oder Kisten verpackt, schienen dabei etwas sinnvolles und machbares zu sein. So jedenfalls u.a. für den VEB Bauelementewerk Erfurt, für das Bau- und Montagekombinat Ost Potsdam oder den VEB Zementwerk Rüdersdorf.

Spielzeuge aus anderen Gebieten der Welt (Schweiz, Japan, Schweden, Gröden), die in der Regel als Schenkungen in die Sammlung kamen, bereichern die Exposition. Ein Julbock aus Schweden steht da neben Tieren Grödener Abstammung oder den Kreiselvarianten japanischer Herkunft. 

Mit Dankbarkeit hat das Museum 2001 von Familie Reichelt (Seiffen) eine mehrstöckige Pyramide mit rund 50 Müller-Figuren (Weihnachtsgeschichte, Bergparade, Bläsergruppe, Engel) und einer Jagd von Alfred Reichelt übernehmen können. Erstmals war sie zur Weihnachtssonderausstellung 1954 im Hause gewesen, damals mit dem Vermerk: “Gebaut vom Vater in den Jahren 1946/47 - mit Figuren von Karl Müller.” Nun steht sie neben einer zweiten, mit Massefiguren besetzten Großpyramide und belegt, dass es auch heute noch solche wertvollen Ankäufe geben kann und muss.

Besonders im Bereich des Miniatur-Spielzeuges konnten interessante "kleine" Erwerbungen getätigt werden, so Zündholzschachteln, Mannschaftsfahrzeuge, gefüllte Früchte usw. Einen beeindruckenden Weg haben verschiedene Szenen sowie ein kompletter Festplatz mit Tanzpaaren, Karussell, Buden, Verkäufern und Musikern hinter sich - sie waren Mitte der 1990er Jahre Geschenke aus Amerika. 



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