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Ausstellungsdokumentation
Erzgebirgisches
Spielzeugmuseum Seiffen - Dezember 2001 bis März 2002
HEILIGE
NACHT
Unter
dem Motto “Heilige Nacht” wollte die Schau vor allem mit den Hintergründen
und der Eigentümlichkeit dieser Volkskunst bekannt machen. Zeit sollte
der Besucher für einen Rundgang mitbringen, um sich von den individuellen,
anmutigen Landschaften bezaubern zu lassen. Schauen und Träumen hatten
zur Ausstellung ebenso dazugehört wie Wissenswertes über die
einzelnen Geschichten und Figuren. Leihgaben aus Privatbesitz und aus Museen
eröffneten einen Überblick vom Osterzgbirge bis ins Spielzeugland.
Technologische
Modelle zur Herstellung von Massefiguren, Papier- und Zinnkrippen, aber
auch Entwürfe und Muster der Spielzeugfachschulen bereicherten die
Exposition. So jene gedrechselte Krippe, welche auf der Krippenschau 1934
in Aue besonderes Aufsehen erregte. Dieses unter der Anleitung von Max
Schanz (1895-1953) an der Seiffener Spielwarenfachschule geschaffene "Krippenhaus
mit Figuren" hatte nicht nur als Schaustück seine Nachwirkungen. Vielmehr
findet es sich in Schülerarbeiten wieder, die als Bauernkrippe oder
Waldkrippe zur Ausbildung gehörten und im Dreiklang von Konstruktion,
körperhaft-kantiger Schnitzerei und der überlieferten Drechselei
Seiffener Eigenständigkeit formulierten.
Nur
das Haus ist erhalten, wurde jedoch in den 60er Jahren wieder mit ähnlichen
Figuren ausgestattet. Die ursprünglichen
Figuren klingen in der strohgedeckten Krippe von Elfriede Jahreiß
nach, die diese noch bis nach 1970 produzierte. Die formalen Neuschöpfungen
aus der Hand des Fachschuldirektors Alwin Seifert (1873 - 1937) befruchteten
nicht nur Seiffener Krippenhersteller, sondern vor allem die Werkstätten
in Grünhainichen.
Krippenhistorie
Weihnachtskrippen
findet man nahezu überall auf der Welt. In Deutschland wurden vor
allem die Gebirgsgegenden zu Zentren, in denen das Krippenbauen und der
Umgang damit Einzug ins Volksleben gehalten
hat. Das Erzgebirge, jene Region des Aufeinandertreffens von böhmisch-katholischem
Barock und protestantischen Norden, wurde zu einem durchaus eigenständigen
und interessanten Krippenland.
Wenn
sie sich zuerst in ganz orientalisch gehaltenen Schnitzereien des Westerzgebirges
äußerte, nahm später der Krippenbau mehr und mehr einheimische
Elemente auf. Besonders die vielfältigen Bergmanns-Traditionen bestimmten
den sich im Erzgebirge entfaltenden Umgang mit dem Krippenthema. Weihnachtsberg
und Krippe standen eng zueinander und vielfach erhielt die eigentliche
Krippenszenerie eines "Berges" eine nur untergeordnete Bedeutung. In den
aufwendigen Terassenbauten mit Landschaft, Stadt und Dorf wird die Christi
Geburt sogar ins heimische Bauernhaus oder in die Bergmannskaue verlegt.
Ob schließlich als "faule Krippe" (so benannt, da hier keine beweglichen
Figuren vorhanden sind) oder als mechanisierte Krippe, bei der Figuren
oder Szenen durch eine unter der Oberfläche verborgen gehaltene Mechanik
"verlebendigt" werden; der erzgebirgische Krippenbau vereinte und vereint
noch heute stets Volkskunst und Volks-Frömmigkeit. Krippenfiguren
bestimmen zugleich die Szenerien auf Leuchtern und Pyramiden.
Zeichnen kann
ich nicht - aber schnitzen ! Die Krippe von Fritz Schmiedel
Die
große geschnitzte Schaukrippe des im westlichen Erzgebirge aufgewachsenen
Fritz Schmiedel ist ein typisches
Beispiel erzgebirgischen Weihnachtsschaffens. Als eine großzügige
Schenkung aus dem pfälzischen Speyer wird sie in diesem Jahr erstmalig
zur rippenausstellung im Seiffener Spielzeugmuseum aufgebaut. Knapp 80
Figuren, skurrile Bäume und mannigfaltige Landschaftselemente belegen
die phantasievolle Mischung volkstümlicher Sinnesfreude und tiefer
Anteilnahme an der “Weihnachtsgeschichte”. Gestalten, Spielen und Schauen
sind wichtige Elemente dieses Krippenbauens: Gestaltet wird mit eigener
Hand - Holz ist zu beschnitzen, zu montieren und zu bemalen, eine
Landschaft en miniature mit räumlicher Illusion muss erschaffen werden.
Spielerisch
erfolgt der Aufbau: Das Einrichten des Krippenbaus und das Stellen der
Bäume und der Figuren weckt kindliche Fähigkeiten. Schließlich
sind beim Schauen und Staunen die Gedanken offen für die weihnachtliche
Botschaft. Man durchwandert das plastisch Erzählte und fühlt
sich in die Figuren- und Gedankewelt ein.
Mit
dieser grandiosen Krippenlandschaft hat sich der ehemalige Schuhmacher
aus dem erzgebirgischen Königswalde in der "Fremde" seine eigene Weihnachtsfreude
gestaltet und ausgelebt. In einem virtuellen Interview gestattet er in
der Seiffener Ausstellung den Einblick in dieses persönliche Krippenschaffen.
Figuren für
die Pyramide
Die
Krippe im Spielzeugland hat keineswegs den kunstvollen Naturalismus der
südländischen Krippe erreichen wollen. Vielmehr führte das
ansässige Handwerk zu einer spielzeughaften Krippenform, die sich
vorrangig der Drechselei bediente. Die kaum überlieferten Krippenfiguren
des Ferdinand Friedrich Müller (1835 -1892) wurden von ihm bereits
sortimentgerecht hergestellt; seine 13teilige Krippe soll um 1870 bestenfalls
2 Mark Lohn gebracht haben.
Dass
es ein diesbezügliches Marktbedürfnis gegeben hat, zeigen erzgebirgische
Musterbücher aus der Mitte des 19. Jahrhunderts (Blatt 71 des Waldkirchner
Spielzeugmusterbuches von 1850 stellt eine Krippe dar). Überhaupt
waren schnell Papiermache- oder Massefiguren handelsüblich geworden
und dienten den Krippenbauern als Bestückung. Im Angebot standen sogar
komplette Ausstattungen, die von den zentralen biblischen Figuren bis hin
zu Schäfereien, Bäumen und Zäunen reichten, in Kartons oder
Spanschachteln verpackt waren und nicht selten Seiffener Zubehör enthielten.
Aus Seiffen kamen dabei nicht nur hölzerne Figuren oder Tiere, sondern
auch aus Masse gefertigte.
Ehnerts Edelholzkrippen
Die
Edelholzkrippen aus der Werkstatt von Richard Ehnert (1888 -1958) und Otto
Ehnert (1913 -1980) sind für die Seiffener Gegend etwas ungewöhnliches,
zumal sie in ihrer virtuosen Miniaturisierung ganz neue ästhetische
Ansätze brachten. Noch bis in die 1990er Jahre hinein wurde die Miniaturdrechselei
in verschiedenen exotischen Hölzern in dieser Werkstatt praktiziert.
Die
Miniaturen Richard Ehnerts sind mit großer Sorgfalt gefertigt und
bemerkenswert detailliert. Er fertigte als Erster einen farbigen Miniaturenbrautzug,
sowie Krippen in Miniaturengröße.
Ständig
experimentierte er intensiv an Arbeitsabläufen und mit Materialen.
Gleichzeitig suchte er
unablässig
nach bekannten und neuen Motiven für seine Miniaturenszenen bzw. Idyllen,
wie er sie nannte. Neben Einzelfiguren hatten es ihm besonders kleine Ensemble
angetan. Dabei widmete er auch den notwendigen Staffagen und dem Zubehör
die gleiche Sorgfalt und Aufmerksamkeit. Zu Beginn der 1930er Jahre begann
er Schritt für Schritt einheimische und ausländische Edelhölzer
in der Miniaturendrechslerei einzusetzen.
Der Männelmacher
Karl Müller
Karl
Müller (1879 -1958) hat die Gestaltungsart seines Vaters, Ferdinand
Friedrich Müller (1835 -1892), übernommen und gilt als einer
der letzten Drechsler an der Fußdrehbank. Auch er fertigte thematische
Gruppen, wie "Geburt", "Verkündigung", "Beschneidung" oder "Flucht".
Obgleich sich mit fortschreitender Entwicklung handwerkliche Techniken
vervollkommneten (der Elektromotor war in Seiffen bereits um 1912eingeführt),
hielt Karl Müller bis zu seinem Tode an den überlieferten Motiven,
Ausdrucksformen sowie Herstellungs- und Bearbeitungsverfahren fest. Seine
Figuren bekamen aus eben dieser (volkskünstlerischen) Haltung zur
Welt ihren faszinierenden naiv-beschaulichen Ausdruck.
Bereits
um die Jahrhundertwende sind sie zur Bestückung von Pyramiden oder
Laufleuchtern verwendet worden, gehandelt wurden auch "lose" Figuren zur
Ausstattung der heimischen Krippe. Die kleinste Ausführung maß
nur 1,5 cm Höhe, am liebsten arbeitete er in der mittleren Größe
von 4-8 cm. Der Grundkörper wurde an der Fußdrehbank gedrechselt,
beschnitzt und mit Armen bzw. Beinen versehen. Auf dem Leimwassergrund
wurde mit Knochenleimfarbe gemalt und anschließend ein Spirituslack
zum Schutz aufgetragen. In einer Zeit, als Goldbronze unerschwinglich wurde,
ersetzte einfaches Gelb und aufgestreuter Glasstaub die Kronenbemalung
der Könige. Papier und anderes Material deutete Kleidung an und in
der "Krippe" lag das Kind unter einer Papierwindel. Müller brachte
auch die für das Erzgebirge und Seiffen typischen Figuren Wirt und
Wirtin zur Darstellung.
 ERZGEBIRGISCHES
SPIELZEUGMUSEUM SEIFFEN |